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Aachen: Im Ticktack der 100 Metronome

Aachen : Im Ticktack der 100 Metronome

Dass das gleichzeitige Schwingen von 100 Metronomen auch eine politische Komponente hat, steht zunächst mal als Behauptung im Raum, bis Olaf Futyma einfällt, dass diese kakophonische Sinfonie ja durchaus etwas Anarchistisches habe, womit er völlig recht hat und die politische Komponente belegt wäre.

Gottseidank, denn das „Sinfonische Gedicht für 100 Metronome“, das György Ligeti 1962 skizzierte, wird im Ludwig Forum aufgeführt und soll die laufende Ausstellung „Flashes of the Future. Die Kunst der 68er oder Die Macht der Ohnmächtigen“ musikalisch ergänzen.

Am Freitag und Samstag kommender Woche organisiert die Aachener Gesellschaft für Zeitgenössische Musik (GZM) zwei Konzerte im Ludwig Forum. Am Freitag, 18. Mai, stehen ab 20 Uhr politische Stücke vom Neuen Musik Ensemble Aachen und ihrem Leiter Olaf Futyma auf dem Programm. Die deutsche Rapperin Sookee, für die der Aachener Pianist Theo Pauss ein Stück komponiert hat, deren Noten die beteiligten Musiker erst am Freitag erhielten, ist als Gast dabei. Und am Samstag (20 Uhr) gastiert der US-amerikanische Komponist und Pianist Frederic Rzewski im Ludwig Forum.

Freitagvormittag waren in der Mulde des Museums auf fünf Tischen schon mal die 100 Metronome aufgebaut, die die GZM eingesammelt hat, als Spende oder Leihgabe. Auf Zeichen von Dirigentin Viola Kramer begaben sich zehn Musiker hinter die Tische, Kramer klatschte zwei Mal, dann schwingen die Musiker die Metronome an

Der österreichisch-ungarische Komponist Ligeti (1923-2006) hat sein Metronom-Gedicht natürlich nicht ausnotiert, sondern, wie Olaf Futyma sagte, nur grobe Instruktionen hinterlassen. Die Metronome sind auf unterschiedliche Geschwindigkeiten eingestellt, das Stück ist vorüber, wenn das letzte Metronom aufgehört hat zu schwingen. Mal klingt das Metronom-Ensembel wie ein marschierendes Bataillon, mal wie prasselnder Starkregen auf dem Glasdach eines Wintergartens, mal wie eine applaudierende Menge. Erstaunlich, was sich aus dem kaum koordinierten Schwingen von 100 Metronomen heraus- und hineinlesen lässt.