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Aachen: Im Strom üppig-warmer Klangschönheit

Aachen : Im Strom üppig-warmer Klangschönheit

„Nordlichter” illuminierten das 4. städtische Sinfoniekonzert im mäßig besetzten Aachener Eurogress. Zumindest auf dem Programmzettel.

Denn mit seiner arabeskenhaften Geschmeidigkeit kann das Flötenkonzert des Dänen Carl Nielsen französische Vorbilder nicht verleugnen, und für seine am Wörthersee entstandene Zweite Symphonie ließ sich Johannes Brahms eher vom Alpenglühn als vom Polarlicht inspirieren.

Eine Sonderstellung nimmt das „Adagio für Orchester” von Oliver Kohlenberg zum Auftakt des Abends ein. Kohlenberg, 1957 in Aachen geboren, zog es früh nach Finnland, da er sich dort als konservativer Symphoniker besser aufgehoben fühlt als in seiner Heimat.

Zu seinen Werken gehört seine fast 90-minütige Erste Symphonie, aus der das abgespeckte Adagio stammt, das jetzt in Anwesenheit des Komponisten erklang. Eine abgedunkelte, nahezu kantenlos und konfliktfrei dahinströmende Elegie im Fahrwasser von Jean Sibelius.

Mit dem Verzicht auf spannungsschärfende Reibungsflächen neutralisieren sich selbst die wenigen dynamischen Höhepunkte, so dass die Musik wesentlich antiquierter wirkt als die des großen Sibelius. Gastdirigent Ulrich Windfuhr, bis zum letzten Jahr Generalmusikdirektor in Kiel, gab sich dem leicht monotonen Tonfall des 15-minütigen Satzes hin, verzichtete auf besondere gestalterische Akzente und nutzte das üppig-warm instrumentierte Werk als Demonstration für orchestrale Klangschönheit.

Lebendiger geht es im Flötenkonzert des Dänen Carl Nielsen zu, das vor allem der junge, vom Deutschen Musikrat geförderte Flötist Kersten McCall mit so federleichter Artistik hintupfte, als habe französischer Esprit die Feder geführt.

Klanglich hell, aber niemals spitz, mit blitzenden Kaskaden und perlenden Läufen empfahl sich der Flötist als großer Hoffnungsträger. Windfuhr und das Aachener Sinfonieorchester ließen darüber hinaus die originellen Geistesblitze des unterschätzten Komponisten zu ihrem Recht kommen, auch wenn eine Prise augenzwinkernder Ironie nicht geschadet hätte.

Die Interpretation der abschließenden Zweiten Symphonie des Hamburgers Johannes Brahms bestätigte den Eindruck, der sich vor der Pause abzeichnete. Ulrich Windfuhr erwies sich als vorzüglicher Handwerker, der orchestrale Klänge formen kann, viel Sorgfalt in eine profilierte Phrasierung investiert und die Übersicht über große formale Dimensionen behält.

Gute Voraussetzungen für eine Brahms-Interpretation von gediegener Qualität. Und so bot Windfuhr einen Brahms der Mitte und des Augenmaßes, frei von pathetischer Erdenschwere und jener klanglichen Magerkost, die bisweilen als „authentisch” verkauft wird.

Orchestral zogen die Aachener Sinfoniker engagiert mit, auch wenn sich im Finalsatz Ungenauigkeiten im Zusammenspiel häuften.