Frankfurt am Main: Im neuen Film zwingt Sandra Bullock ihren Gehilfen zum Jawort

Frankfurt am Main: Im neuen Film zwingt Sandra Bullock ihren Gehilfen zum Jawort

„Hexe” tituliert der leidgeprüfte Assistent Andrew (Ryan Reynolds) seine Chefin Margaret im internen Netzverkehr. Und wenn die strenge Dame tadellos gestylt anrauscht, verfallen die gemütlich ratschenden Büromäuse in Halbachtstellung.

Das Drehbuch will es, dass die sonst so organisierte Kanadierin es versäumt, sich um ihre Greencard zu kümmern und des Landes verwiesen werden soll. Andrew sieht sich überfallartig als ihr Verlobter präsentiert - ein Arrangement, das mit gegenseitigen kleinen Erpressungen untermauert wird.

In ihrem Erfolgsfilm „Ein Chef zum Verlieben” spielte Sandra Bullock eine idealistisch-ungeschminkte Anwältin, die alle Launen ihres Chefs mitmacht und mit einem Happy End à la „Kaktusblüte” belohnt wird.

In „Selbst die die Braut” nun sind die Rollen vertauscht. Dabei machen gerade die Stellen, an denen es etwas hakt, den Reiz dieser ansonsten bis in den Abspann vorhersehbaren Komödie aus.

Dass die Braut gut ein Dutzend Jahre älter ist als ihr Untergebener und Bräutigam, dürfte eine Premiere im Lustspielgenre darstellen. Andererseits ist Verlagslektorin Margaret eben kein sorgloser Lebensgenusstyp wie Hugh Grant im Vorgängerfilm, sondern erfüllt das filmische Klischee der Karrierefrau, deren Effizienz als verbissene Zickigkeit daherkommt.

Oft wird beklagt, dass Sandra Bullock, Dauerfavoritin des weiblichen Publikums, nur in minderwertigen Filmen auftritt. Tatsächlich aber sind diese Filme Voraussetzung dafür, dass der Sandra-Bullock-Effekt überhaupt eintritt. In fein ziselierten Beziehungsdramen wie etwa „Die Vorahnung” bleibt sie austauschbar. Dagegen bekommt filmisches Fast Food wie „Mrs. Undercover” erst Geschmack durch ihren Charakter - eine starke Mischung aus armem Hascherl und zähem Brocken.

Auch diesmal gibt Bullock mit kratzbürstiger Doris-Day-Attitüde ein Heimspiel. Im Rahmen dessen, was in einer romantischen Mainstreamkomödie machbar ist, entwickelt Regisseurin Anne Fletcher hübsche Pointen und Charaktere, die differenzierter sind als erwartet.

So entpuppt sich Andrew zwar als reicher Undercover-Märchenprinz. Nicht die Scheinhochzeit aber ist sein größtes Problem, sondern sein dominanter Vater: Der will, dass Andrew die Firmengeschäfte übernimmt.

So geht es hier nicht vorrangig um der Widerspenstigen Zähmung, sondern es finden sich zwei willensstarke Außenseiter, die von ihrer Umgebung gemobbt werden. Fletcher lässt sie nackt ineinanderstolpern, was dank Bullocks erprobter Mischung aus Tollpatschigkeit und Erotik auch ziemlich komisch ist. Auf Standardbelustigungen wie Ausflüge in einen Stripper-Club würde man dagegen gerne verzichten.

Regie: Anne Fletcher Buch: Peter Chiarelli. Mit: Sandra Bullock, Ryan Reynolds, Mary Steenburgen, Craig T. Nelson. 108 Minuten.