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Aachen: Im Gespräch mit Mensch und Technik

Aachen : Im Gespräch mit Mensch und Technik

Man muss es gleich zu Beginn klarstellen, sonst entsteht ein falscher Eindruck: Was Thomas Saretzki macht, ist ziemlich interessant. Es klingt nur etwas sperrig. Aber wenn man sich erst mal durch Berge von Theorie und Fachbegriffen gekämpft hat, wird´s nachvollziehbar interessant und alltagsrelevant.

Thomas Saretzki aus Lüneburg, 53, ist Politikwissenschaftler, Biologe und Philosoph und dieses Semester Gastprofessor an der Philosophischen Fakultät der RWTH. Sein Thema: Mensch und Technik. Seine These: Keine Zukunftstechnologie ohne Demokratie. Sein Auftrag: Ingenieure und Geisteswissenschaftler zusammenbringen.

Der Effekt ist oder sollte sein: Es werden nur noch Zukunftstechnologien vorangetrieben, die konsensfähig sind. Technologische Missverständnisse wie der Transrapid wären künftig ausgeschlossen - und würden dem Steuerzahler Milliarden sparen.

Als Zukunftstechnologien bezeichnet Saretzki dabei nur solche, die die Gesellschaft nachhaltig verändern: Dampfmaschine, Fernsehen, Computer, Gen- und Nanotechnologie. Um die geht es ihm.

Saretzkis Ansatz ist erforderlich, weil nach seiner Auffassung Ingenieure dazu neigen, Technologien nach deren angenommenem Leistungspotenzial zu entwickeln. Dabei bleibt die Frage außer Betracht, „ob die jeweilige Technologie die Diskussionskultur einer demokratischen Gesellschaft aushält”, sagt Saretzki, Lobbyistenarbeit eingerechnet.

Es reiche nicht, lediglich den Rückhalt einer Regierungskoalition zu haben. Im Zeitalter der Information ist jeder über alles im Bild und hat zu allem eine Meinung. Wer weiß, ob heute die Entwicklung der Kernenergie oder der Atombombe überhaupt konsensfähig wäre, wenn es sie nicht schon gäbe?

Saretzki findet nicht, dass er oder andere Geisteswissenschaftler in Aachen oder anderswo nun den Ingenieuren vorschreiben sollen, wonach sie zu forschen haben und wonach nicht; ebenso wenig ist das Ziel, die Geisteswissenschaften zum Dienstleister der Ingenieurwissenschaften zu degradieren.

Worum es Saretzki und der Fakultät im Wesentlichen geht, ist Forschungseffizienz: „Die Ingenieure benennen das Potenzial einer Technologie”, sagt Saretzki, „die Geisteswissenschaftler deren gesellschaftliche Konsensfähigkeit.” Es klingt, wie gesagt, ein bisschen sperrig. Aber der Ansatz ist ohne Zweifel interessant.