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Aachen/Alsdorf: Im Alsdorfer Drama stoßen Welten aufeinander

Aachen/Alsdorf : Im Alsdorfer Drama stoßen Welten aufeinander

Welten liegen zwischen den Plädoyers der Verteidigung und des Staatsanwalts, das Strafmaß bei Verteidiger Norbert Hack am unteren Ende der Skala, bei Staatsanwalt Alexander Geimer immerhin bei zehn Jahren Freiheitsentzug.

Im Prozess um die Tötung der Ehefrau des Angeklagten Faruk E. (40), der am 13. April diesen Jahres, dem Osterdienstag, in einem Affektsturm die Kehle seiner Frau mit einem Ausbeinmesser durchschnitt, gehen die Meinungen auseinander. Für den Staatsanwalt ist in dem Ehedrama, in dessen Zentrum der „fleißige und ordentliche” Großgeräteführer bei Rheinbraun steht, zumindest die Anklage wegen versuchten Mordes vom Tisch.

Geimer wertete in seinem Plädoyer vor der Aachener Schwurgerichtskammer die Stiche, die Faruk E. Sekunden nach der Ursprungstat dann seiner Schwägerin beibrachte, nicht mehr als einen versuchten Mord, niedere Beweggründe seien beim dem bisher treu sorgenden Familienvater nicht auszumachen.

Affektgeladene Konfliktsituation

Der Staatsanwalt anerkannte durchaus die affektgeladene Konfliktsituation, in der sich der Angeklagte befand, als für ihn offenbar wurde, dass seine Frau einen anderen hatte. In ihrerer Handtasche fand er die „Pille” und Kondome, eindeutige Indizien. Seine Bemühungen, das neue Haus für die Kinder bezugsfertig zu machen, waren scheinbar mit einem Schlag zerstört.

„Es war klar, dass für den Angeklagten, der sich jahrelang intensivst für seine Familie abgerackert hat, eine Welt zusammenbricht,” erklärte der Staatsanwalt die seelische Situation. Um 8.07 Uhr morgens kaufte er ein Ausbein- sowie ein kleineres Küchenmesser. Mit dem langen Messer schritt er kurz darauf zur Grauenstat in der Schaufenbergerstraße in Alsdorf.

Warum hat er das Messer gekauft? „Keinem kann man in den Kopf schauen”, formulierte Geimer und musste sich dafür von Verteidiger Hack die Leviten lesen lassen: „Der Staatsanwalt will hier einen falschen Eindruck erwecken.” Weil er sich, von seiner Frau im Stich gelassen, auf der Hausbaustelle jetzt selbst beköstigen musste, habe er die Messer gekauft - und ein Brathähnchen, das er mit den Küchenmesser zerteilen wollte.

Furchtbare Konsequenzen

„Es tut ihm heute furchtbar leid, dass er es überhaupt dabei hatte”, zitierte Hack seinen Mandanten und forderte eine Strafmaß, das sich im unteren Drittel eines bereits verminderten Strafrahmens von siebeneinhalb Jahren bewege. Die Rechtsanwältinnen der Nebenklage (für die Kinder und die Schwägerin) schlossen sich dem Antrag des Staatsanwalts an. Sie stellten die furchtbaren Konsequenzen für die Familie heraus - die ist zerstört, die Mutter tot, der Vater im Gefängnis, die Kinder traumatisiert, die Schwägerin leidet unter den Verletzungsfolgen. Ein kleines Fünkchen keimt noch bei der Tochter, die im Gerichtssaal noch einige Minuten zum Vater durfte. Sie sprach mit ihm trotz des Grauens, das er angerichtet hat.

Das Urteil wird am 8. November um 12 Uhr gesprochen.