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Monschau: „Ich wollte nie ein Star werden“

Monschau : „Ich wollte nie ein Star werden“

Ihr Markenzeichen ist die schwarze, eckige Brille. Sie war Dauergast in der legendären ZDF-Hitparade, stand fünf Jahre als Abgeordnete für Griechenland auf der Bühne des Europa-Parlaments, hat Akzente als Chanson-Sängerin in französischer Sprache gesetzt, produzierte bereits Anfang der 1960er Jahre mit glockenheller Stimme in den USA ein von Quincy Jones produziertes zeitlos gutes Jazzalbum und ist gut befreundet mit der Liedermacher-Ikone Bob Dylan: Nana Mouskouri.

Einer Erhebung des Weltverbandes der Phonoindustrie zufolge mit weltweit 300 Millionen verkauften Tonträgern nach Madonna die zweiterfolgreichste Sängerin aller Zeiten. Trotz ihres unverwechselbaren Äußeren besitzt sie viele Gesichter. Seit mehr als 50 Jahren steht die Griechin auf der Bühne.

Soeben ist die 83-Jährige von einem Konzert in Beirut zurückgekehrt. Am Freitagabend gastiert die weltbekannte Interpretin auf der Burg Monschau. Mit ihrer Crew logiert sie im Gästehaus des Klosters Steinfeld in der Nordeifel. Vor ihrem Gastspiel auf der Open-Air-Bühne sprach sie mit unserem Mitarbeiter Peter Stollenwerk.

Frau Mouskouri, Sie wohnen während ihres Gastspiels in einer Klosteranlage. Inspiriert Sie dieser Ort?

Nana Mouskouri: Ein Ort, wo sich eine Kirche befindet, ist immer eine Inspiration. Dieser Ort strahlt Respekt aus und hilft mir, ein besserer Mensch zu sein.

Wenn man in Deutschland an Nana Mouskouiri denkt, dann fällt einem sofort der Schlager „Weiße Rosen aus Athen“ ein. Ist es mehr als 55 Jahre nach Erscheinen dieses Welthits nicht langsam anstrengend, immer mit dieser Nummer in Verbindung gebracht zu werden?

Mouskouri: „Weiße Rosen aus Athen“ war im Jahr 1961 mein erster großer Erfolg, und ich bekam in Deutschland innerhalb von nur acht Monaten dafür eine goldene Schallplatte. Ein Lied beschreibt auch immer eine Zeit, und dieser Song ist typisch für die damalige Zeit. Wir spielen das Lied bei fast jedem Auftritt etwas anders.

Sie haben Ihr äußeres Erscheinungsbild nie verändert. Mal ehrlich: Wie viele schwarze Brillengestelle besitzen Sie wirklich?

Mouskouri: Ungefähr 100. Es können auch einige mehr sein. Von Anfang an mochte niemand diese Brille, aber ich wollte nie ein Star werden. Ich wollte immer nur eine gute Sängerin sein. Ich bin ein ganz normaler Mensch, möchte den Leuten Freude bereiten und immer das Beste geben.

Sie kennen viele Bühnen auf der ganzen Welt. Welche Bühne gefällt Ihnen besser, die politische Bühne oder das Showgeschäft?

Mouskouri: Ganz sicher nicht die politische Bühne. Ich war fünf Jahre Abgeordnete im EU-Parlament, weil ich etwas für mein Land tun wollte. Freunde haben mich damals gedrängt, und ich habe mich auf das Experiment eingelassen. Aber ich habe erkannt, dass in der Politik nicht mein Platz ist.

Sie stehen seit mehr als 50 Jahren so gut wie ohne Pause auf der Bühne. Mögen Sie das Tourleben eigentlich immer noch?

Mouskouri: Ich möchte mit den Menschen kommunizieren, und auf der Bühne bleibe ich am besten in Kontakt mit den Menschen. Ich schätze mich glücklich, dass meine Stimmlage immer noch die gleiche ist wie früher. Ich bin noch eine der wenigen Sängerinnen, die ohne Ohrhörer und Monitor auskommen. So bleibe ich besser in Verbindung mit dem Publikum.

In welchem europäischen Land fühlen Sie sich am ehesten zu Hause?

Mouskouri: Ich bin eine Europäerin, und meine Heimat ist die Bühne. Ich liebe die amerikanische Musik, aber ein Leben in den USA hätte ich mir nie vorstellen können.

Sie haben bisher weit über 1300 Songs interpretiert. Haben sie ein musikalisches Vorbild?

Mouskouri: Ich habe Marlene Dietrich immer sehr geschätzt. Einmal waren wir zeitgleich in England auf Tournee, aber wir sind uns bei dieser Tour niemals begegnet. Einmal hatte sie in der Garderobe eine Nachricht für mich hinterlassen. Sie hatte „Meine Nachtigall“ mit Lippenstift auf den Spiegel geschrieben. Bei ihrem letzten Konzert in Paris haben wir uns dann gesehen und uns herzlich umarmt.

Ihre Tournee 2018 steht unter dem Motto „Forever young“. Was darf das Publikum erwarten?

Mouskouri: Die Lieder, die das Repertoire umfasst, verdienen alle die Bezeichnung „forever young“ (für immer jung). Wir können ohne unsere Vergangenheit nicht leben, deshalb habe ich dieses Motto für die Show gewählt. Es gibt Lieder von Elvis Presley, Udo Lindenberg oder Amy Winehouse, aber auch deutsche und griechische Songs aus den zurückliegenden 60 Jahren in meiner ganz persönlichen Interpretation.

Sie haben vor rund zehn Jahren ihre Abschiedstournee angekündigt. Sollte das nur ein Abschied auf Zeit sein, oder meinten Sie das wirklich ernst?

Mouskouri: Diese Abschiedstournee rund um den Globus dauerte vier Jahre und sollte eigentlich zum Ausdruck bringen, dass ich mit über 70 Jahren ab jetzt nicht mehr um die ganze Welt reisen wollte, aber Konzerte in Europa gehen immer. In diesem Jahr sind es rund 60 Auftritte.

Heute gastieren Sie auf der Burg Monschau. Kennen Sie den Ort?

Mouskouri: Ich war noch nicht dort, aber ich liebe alte Bauwerke. Hier spürt man die Geschichte besonders intensiv. Bei einem Konzert in Luxemburg ist uns dieses kleine, aber feine Festival in Monschau empfohlen worden.