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Aachen: „Ich habe mich stets an ihnen gemessen”

Aachen : „Ich habe mich stets an ihnen gemessen”

Sie ist das „Who-is-Who?” einer attraktiven regionalen Kunstszene, wie sie sich nach den Zweiten Weltkrieg in oft heftigen Facetten entwickelt hat. Unter dem Motto „Eine andere Sammlung: Die Schenkung Peter und Trude Lacroix” zeigt das Suermondt-Ludwig-Museum Aachen ab Freitag die zweite „Portion” jener rund 400 Werke, die der Sammler und Künstler dem Haus an der Wilhelmstraße überschrieben hat.

Wurden in einer ersten Schau 2006 Stücke nach thematischen Schwerpunkten präsentiert, so hat diesmal Kuratorin Christine Vogt eher den kunsthistorischen Aspekt gewählt. „Eine gewisse Chronologie in der Zusammenstellung der Gruppen ermöglicht es uns, die Entwicklung der Kunst und der Kunstschaffenden besser zu erkennen”, betont sie.

Große Leidenschaft

Wie im ersten Teil wird auch hier schon beim ersten Blick klar: Die Leidenschaft des Sammlers Lacroix war und ist stets mit der Selbstkritik des Künstlers Peter Lacroix verknüpft. „Ich habe meine Sachen stets an den Werken anderer gemessen”, so Lacroix. „Ich war immer gespannt, was meine eigenen Bilder aushalten.”

Sein Kriterium für Qualität: der künstlerische Einfall. Namen wie Hanns Pastor oder Karl Fred Dahmen, Willi Kohl und Fritz Martin markieren zudem auch den persönlichen Lebensweg.

So stellte Lacroix erstmals 1954 als Mitglied der „Neuen Aachener Gruppe” im Suermondt-Museum aus, wobei der Kontakt zu Dahmen und Pastor schon älter war: „Ich brauchte einen Job und man suchte einen Schablonierer”, erzählt er.

So verdienten sich die drei noch vor der Währungsreform ein wenig Geld bei der Herstellung von Streckenschildern für eine Aachener Firma. Lacroix, der das Handwerk des Theatermalers erlernt hatte, dokumentiert in seiner Sammlung, wie Persönlichkeiten und Kunstströmungen in dieser Region auflebten, zunächst in düster-emotionalen Werken das noch sehr gegenwärtigen Grauen der Nazi- und Kriegszeit verarbeiten und dann nach und nach freier, experimenteller werden.

Neben Dahmen und Pastor treten feine Zeichnungen von Josef Kranzhoff, der die Erinnerung an massive Kriegsschiffe in einer filigranen Grafik festhält, oder sein „Bahnübergang”. „Das Gemälde befindet sich in unserer Sammlung, dies hier könnte eine Vorzeichnung sein”, erläutert Christine Vogt die enge Beziehung zum Bestand des Hauses. „Nur so hat es Sinn, eine solche Schenkung anzunehmen.”

Eine besondere Ausstrahlung haben die Stücke nicht nur durch Qualität und Originalität (man sieht oft Dinge aus den Frühphasen von Künstlern wie Christo oder Beuys), sondern auch durch den persönlichen Bezug durch herzliche und witzige Widmungen „für Trude und Pit”, und kleine Anspielungen.

Dass Lacroix stets auf der Suche war, zeigen seine zahlreichen späteren Kontakte - nicht zuletzt im Hinblick auf Ausstellung in der „Welschen Mühle”, wo sich der einstige Haarener Bezirksvorsteher Karl Pütz für Kunst und Künstler stark machte und 1979 auf Lacroix traf.

Namen wie Anette Berns, Herbert Falken, Irmel Kamp-Bandau, Michael und Barbara Leisgen, Reiner Nachtwey und stammen aus dieser Zeit, die sich gleichfalls in der jetzigen Ausstellung spiegelt.

So gehörte Lacroix zu den ersten, die die hintergründigen Fotografien eines Uli Bohnen sammelte. Einer seiner „Lieblinge” ist der Künstler Hartmut („Haki”) Ritzerfeld mit seinen oft von innere Qual geprägten Bildern, bei dem, so Lacroix, eine gewisse „Verdichtung” künstlerischer Gedanken stattgefunden hat. „Es ist ein Unterschied, ob jemand dem gesellschaftlichen Einfluss ausgesetzt ist oder wie auf einer Insel lebt.”

Lacroix selbst nimmt das Prinzip, sich und sein Schaffen an anderen zu messen, selbst mit 83 Jahren noch wörtlich: Der Vorraum zur Ausstellungshalle zeigt seine jüngste Schenkung: 27 geometrische Kollagen, die an geheimnisvolle Grundrisszeichnungen alter Dome oder gewaltige Stahlelemente erinnern. Daneben „Blumensträuße”, luftig leichte Bleistiftzeichnungen in lockerer Linienführung. Lacroix: „So etwas mache ich täglich, das tut mir gut.”