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Münster: Hornist Steffens im Tarifstreit: „Der Streik muss auch wehtun”

Münster : Hornist Steffens im Tarifstreit: „Der Streik muss auch wehtun”

Das Publikum ist vor der Bühne der Halle Münsterland versammelt, die Musiker sitzen mit ihren Instrumenten bereit - doch es erklingt kein Ton. Eigentlich freuen sich die Zuhörer auf ein Sinfoniekonzert mit Werken von Henze, Mendelssohn und Mozart. Aber vor dem Konzert gibt es eine Protestaktion.

Ein grau gelockter Mann steht mit einem Mikrofon in der Hand inmitten der Musiker. Er spricht über Werdegang und Arbeitsalltag eines Orchestermusikers. Und informiert das Publikum über den aktuellen Tarifstreit zwischen der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) und dem Deutschen Bühnenverein (DBV), der die Arbeitgeber vertritt.

Schnell wird klar: Das Konzert der 67 Musiker verschiebt sich. Der 58-Jährige bittet zum Schluss seiner Ansprache um Applaus als Zeichen der Unterstützung für die Musiker.

„Die Leute haben gar nicht mehr aufgehört zu klatschen, und ich habe in der Pause viel Zuspruch bekommen”, sagt Willibert Steffens lächelnd. Der Hornist des Sinfonieorchesters Münster ist Initiator der Protestaktion der vergangenen Woche und DOV-Delegierter beim Orchester. Mittlerweile sind die Tarifverhandlungen gescheitert, mit denen die Musiker die weitere Ankopplung ihrer Tarife an den öffentlichen Dienst erreichen wollen. Die Orchestergewerkschaft kündigte daraufhin Streiks mit kompletten Ausfällen von Proben und Vorstellungen an.

Steffens unterstützt die geplanten Aktionen: „Ein Streik muss auch wehtun.” Die Intendanten und notfalls auch das Publikum müssten spüren, dass es den Musikern ernst sei. An einem freien Tag würde Steffens sogar in eine andere Stadt fahren, um dort Kollegen zu unterstützen.

Dabei war die 20-minütige Konzertverzögerung in der vergangenen Woche sein erster Einsatz bei einem Tarifstreit seit gut 30 Jahren. „Ich hatte schon Angst, dass die Solidarität ausbleibt”, sagt Steffens.

Doch es gibt Unterstützung. Musikerkollegen, auch nicht gewerkschaftlich organisierte, hätten seine Rede gelobt. Der Intendant der Städtischen Bühnen, Wolfgang Quetes, meint: „Ich hatte keine Probleme damit.” Vollstreiks hingegen wären mit einem erheblichen Schaden verbunden, sagt der Intendant.

Steffens geht es nicht allein um den finanziellen Aspekt. Mit Proben, Vorbereitungen und Üben zu Hause sei der zeitliche Aufwand eines Orchestermusikers sehr hoch. Hinzu kämen gesundheitliche Folgen wie Haltungsschäden oder Hörschwierigkeiten. „Die Wertschätzung für die Leistung eines Musikers kann nicht allein der Applaus sein”, mahnt er.

Dass die bundesweit 80 Protestaktionen der vergangenen Woche nicht überall gut angekommen sind, bestätigt Andreas Masopust, Justiziar beim DOV. „Größtenteils gab es Zustimmung”, sagt er. Doch er räumt auch Kritik ein. Das Düsseldorfer Premierenpublikum von Richard Strauss Oper „Die Frau ohne Schatten” beispielsweise quittierte die Protestaktion vor der Vorstellung am Samstag mit lautstarken Beschwerden. „Ziel ist es nicht, das Publikum zu bestreiken”, betont Masopust.

Ein Streik könnte nach Steffens Meinung dazu beitragen, die Forderungen der Musiker durchzusetzen. Die DOV sei mit etwa 13.000 Mitgliedern zwar verhältnismäßig klein, dafür aber gut vernetzt. In Münster steht für den 25. Oktober die Premiere der Puccini-Oper „Turandot” auf dem Spielplan. „Es muss nicht unbedingt so ein Termin sein, an dem wir streiken”, sagt Steffens. Ausschließen will er es aber auch nicht.