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Aachen: Hohes Niveau bei der „Mai Klassik“ in Alsdorf

Aachen : Hohes Niveau bei der „Mai Klassik“ in Alsdorf

Hochwertige Kammermusik mit abwechslungsreichen und substanzvollen Programmen: Das ist das Erfolgsrezept des dreitägigen „Mai-Klassik“-Festivals im Energeticon Alsdorf.

Dass es nicht erst mit seiner siebten Auflage in diesem Jahr fest in der Euregio etabliert ist, betonte auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg, der die Schirmherrschaft übernommen hatte, in seinen Begrüßungsworten am Eröffnungsabend in der gut besuchten Industriehalle zum Ausdruck.

Die sieben Musiker um den künstlerischen Leiter Hans-Christian Schweiker kamen gleich im ersten Konzert alle zum Einsatz. Ludwig van Beethovens Gassenhauer-Trio für Klavier, Klarinette und Violoncello war der geeignete muntere Einstieg in das Festival. Hyun-Jung Kim-Schweiker (Klavier), Martin Spangenberg (Klarinette), und Hans-Christian Schweiker (Violoncello) sorgten denn auch für eine gelöste, technisch auf hohem Niveau stehende, klanglich ausgewogene Wiedergabe des für Beethoven ungewohnt schwerelosen dreisätzigen Stückes mit seinem vergnügten Variations-Finale, dem das Trio seinen Beinamen verdankt.

Wesentlich gedankenschwerer gibt sich die zweite Klarinettensonate Es-Dur von Johannes Brahms, die mit ihrer formalen Knappheit und ihrer Konzentration auf das Wesentliche eines der berührendsten Alterswerke des Komponisten darstellt. Mit dem frühen Trio von Beethoven hat sie nur die Variationsstruktur des Finalsatzes gemein. Hyun-Jung Kim-Schweiker und Martin Spangenberg brachten die spätherbstliche Stimmung des Werkes mit seiner dunklen Färbung auf bewegende Weise zum Ausdruck. Spangenbergs variabler, in allen Lagen rund klingender Ton spürte den Melodiebögen sensibel nach, während die Pianistin mit ihrem differenzierten Anschlag den komplexen und dynamisch breit gefächerten Klavierpart voll auslotete.

Nach der Pause ging es mit Antonín Dvoák Streichquintett G-Dur handfester zu. Zu Hans-Christian Schweiker gesellten sich die Streicher Franziska Hölscher und Stephan Picard (Violine), Roland Gassl (Viola), und Detmar Kurig (Kontrabass), um das viersätzige, aus einer frühen Schaffensperiode des Komponisten stammende Werk, das böhmische Melodik mit an Richard Wagner orientierter Harmonik verbindet, zu einer temperamentvollen Aufführung mit geradezu orchestralen Wirkungen zu bringen, woran der Einsatz des Kontrabasses einen entscheidenden Anteil hat. Das klanglich fein aufeinander abgestimmte und dennoch höchst schwungvolle kammermusikalische Miteinander sorgte für eine mitreißende Wiedergabe, deren klangliche Wirkung durch die gute Akustik in der besonderen Atmosphäre des Industriebaus der Fördermaschinenhalle noch verstärkt wurde.

Begeisterter Beifall für einen spannenden Kammermusikabend.

Unsere Kritik bezieht sich auf den ersten Konzertabend des dreitägigen Festivals, das Sonntagvormittag mit dem dritten Konzert zu Ende ging.