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Aachen: Hohe Erwartungen enttäuscht: „Das schwarze Haus” von Stephen King und Peter Straub

Aachen : Hohe Erwartungen enttäuscht: „Das schwarze Haus” von Stephen King und Peter Straub

Haben Sie Stephen Kings vierteilige Saga um den Dunklen Turm gelesen? Oder vielleicht „Der Talisman”, jene Koproduktion mit seinem Kollegen Peter Straub vor rund 20 Jahren? Sollte die Antwort zwei Mal „Nein” gelautet haben, dann sollten Sie die Lektüre nachholen, bevor Sie zum „Schwarzen Haus” greifen.

Denn dann macht es unvergleichlich mehr Spaß, das zweite gemeinsame Werk von King/Straub zu lesen. Einerseits ist es eine Fortsetzung des „Talisman”, andererseits ist „Black House” (die Ähnlichkeit zu Charles Dickens „Bleak House” ist gewollt) ein weiterer „Nebenstrang” zur Turm-Saga.

In dem Provinznest French Landing treibt ein Kindermörder sein Unwesen. Der Ex-Starpolizist Jack Sawyer, der sich in dem Nest niedergelassen hat, wird gebeten, sich an der Fahndung zu beteiligen.

Nur widerstrebend lässt sich Sawyer - die Namensgleichheit mit Tom Sawyer ist gleichfalls Absicht, da Mark Twain ein Vorbild beider Autoren ist - auf den Fall ein, nachdem ihm klar wird, dass hier dunkle Mächte ihre Hand im Spiel haben.

Sawyer selbst steht seit seinem 12. Lebensjahr - seitdem er besagten „Talisman” berührt hat - mit einer Parallelwelt in Verbindung. Und in dieser Welt steht eben jener Dunkle Turm, der alle Welten und Zeiten zusammenhält und den der „Scharlachrote König”, der aus anderen King-Romanen bekannte personifizierte Teufel, zum Einsturz bringen will. Das „Schwarze Haus” am Rande von French Landing ist ein Tor in diese andere Welt.

Das „Schwarze Haus” ist ein phasenweise spannender Roman mit interessanten und gut ausgearbeiteten Figuren. Doch es gibt auch Längen. Störend ist die teilweise sehr detailliert dargestellte Brutalität.

Dabei hat King in den meisten seiner Werke bewiesen, dass er ohne diese Brutalität auskommt, ja, dass gerade seine eher auf psychologische und emotional-erzählerische Momente setzenden Romane seine besten sind.

Das „Schwarze Haus” ist zwar kein Flop, wird aber den hohen Erwartungen, die an diese zweite Ko-Autorenschaft geknüpft waren, nicht gerecht. Zudem wird am Ende klar, dass auch dieser Roman nur eine Zwischenstation ist.

Vielleicht münden alle Handlungsfäden und Personen ja eines Tages in einem abschließenden Meisterwerk. Es wäre nach 20 Jahren und etlichen Romanen mit mehr oder minder gleichem Thema an der Zeit.