1. Kultur

Aachen: Höchste Intensität bei Amadéo

Aachen : Höchste Intensität bei Amadéo

Kammermusik mit Klavier war angesagt beim Konzert der Kammermusikreihe Amadéo im Rahmen des Kulturfestivals Euriade im Alten Aachener Kurhauses. In das Genre konnte man angesichts der minimalen Begleitbesetzung mit einem Streichquartett unter Verzicht auf einen Kontrabass getrost auch Joseph Haydns Klavierkonzert G-Dur einreihen.

Andreas Frölich, musikalischer Leiter der Reihe, spielte den Solopart technisch überlegen. Allerdings hätte man sich bei der schwierigen Akustik im Ballsaal weniger Pedal und mehr an artikulatorischer Prägnanz gewünscht. So ging manches Detail des Figurenwerks verloren.

Sehr schön der stimmungs- und gehaltvolle langsame Satz, den Frölich mit vollendeter Kantabilität spielte. Verlässliche Begleiter waren Adrian Pinzaru und Andreas Moscho, Violine, Mikhail Zemtsov, Viola, und Othmar Müller, Violoncello.

Begonnen hatte der Abend mit einem Jugendstreich des 15-jährigen Felix Mendelssohn-Bartholdy, dem Sextett in der originellen Besetzung Klavier, Violine, zwei Bratschen, Violoncello und Kontrabass, das hier einem zweiten Cello anstelle des Basses zur Aufführung gelangte. Der absolut dominierende und hochvirtuose Klavierpart fand in Alfredo Oyaguez einen brillanten und klanglich differenzierenden Interpreten.

Eine zufriedenstellende klangliche Balance zu seinen Streicherkollegen Aaron Berofsky, Violine, Mikhail Zemtsov und Traian Ionescu, Viola, und Othmar Müller und Ramon Jaffé, Violoncello, fand sich jedoch erst im Laufe des etwas akademisch geratenen ersten Satzes ein. Im späteren Verlauf ließ die Aufführung nichts an sprühendem Temperament vermissen.

Der absolute Höhepunkt des Abends wurde die Wiedergabe von Alfred Schnittkes Klavierquintett, ein Werk, das der Komponist als Trauerverarbeitung nach dem Tod seiner Mutter schrieb. Werner Janssen, Intendant des Festivals, stellte einen Bezug zum Holocaust her und ließ sich die Gelegenheit zu einer Rezitation nicht entgehen.

Paul Celans „Todesfuge” führte denn auch direkt in die von tiefer Trauer geprägte Stimmung des viersätzigen Werkes, das einen relativ tonalen Klaviersatz dissonant engen, teilweise vierteltönigen Klangbändern und Klangfeldern der Streicher gegenüberstellt. Die von höchster Intensität und Spannung gefüllte, hochkarätige Aufführung ging extrem unter die Haut.

Frölich wollte den verlöschenden Klängen des Finales nicht das letzte Wort belassen. Er fügte ein Präludium von Bach an, das die schmerzliche Anspannung auf berührend friedvolle Art löste.

Das Amadéo-Festival geht am Samstag, 18. Juli, mit spanischen Klängen, Tango und Flamenco in die Zielkurve. Um 19 Uhr heißt es „Noche latina” in der Aula Carolina an der Pontstraße in Aachen. Beim Abschlusskonzert am Sonntag, 20 Uhr, im Hotel Quellenhof gibt es Werke von Spohr, Mendelssohn, Haydn und Brahms.