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Aachen: Hochwasser-Katastrophe prägt Tag des offenen Denkmals

Aachen : Hochwasser-Katastrophe prägt Tag des offenen Denkmals

Strahlender Sonnenschein und sommerliche Temperaturen bescherten dem zehnten bundesweiten Tag des offenen Denkmals am Sonntag einen Rahmen, wie er schöner kaum hätte ausfallen können.

Die zentralen Eröffnungsfeierlichkeiten im Quadrum des Aachener Doms und im Krönungssaal des Rathauses standen indessen ganz im Zeichen der jüngsten Flutschäden, die das Jahrhunderthochwasser in Bayern und in Ostdeutschland auch an Baudenkmälern angerichtet hatte.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hatte in diesem Jahr Aachen für die Eröffnungsfeierlichkeiten ausgesucht, um den europäischen Charakter des Denkmaltages hervorzuheben und auch den besonderen Denkmal-Reichtum der alten Kaiserstadt zu würdigen.

Insgesamt waren am Sonntag gut 6500 Sehenswürdigkeiten in 2500 Städten öffentlich zugänglich gemacht worden, allein rund 50 davon in Aachen, hunderte in der ganzen Region.

Insgesamt ein Rekord an beteiligten Einrichtungen. Auf 3,5 Millionen schätzten die Veranstalter die bundesweite Besucherzahl.

„Ein Denkmal steht selten allein: Straßen, Plätze und Ensembles”, lautete das Motto des Veranstaltungstages.

Diesen eigentlich städtebaulich gemeinten Hinweis auf schützenswerte Bau-Ensembles wendete Michael Vesper (Bündnis 90/Grüne), nordrhein-westfälischer Minister für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport, als solidarischen Appell: als Aufruf an die Mitbürger mitzuhelfen, die unüberschaubaren Hochwasserschäden zu beseitigen.

Vesper, derzeit zugleich auch Präsident des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz: „Vergessen dürfen wir nicht, dass es auch viele weniger bekannte Denkmäler und Ensembles getroffen hat, die für das Heimatgefühl und die Geschichte der Menschen mindestens genauso bedeutend sind wie die prominenten Beispiele unseres kulturellen Erbes.”

115 Baudenkmäler neben Semper- Oper und Zwinger, so Gottfried Kiesow, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, seien von der Flutkatastrophe betroffen.

Bei einem Festakt im Rathaus hob NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement den Denkmalschutz als vorbildliches Beispiel für ein gelungenes „bürgerschaftliches Engagement” hervor. Darüber hinaus ver- sprach er, Stiftungen stärker zu för- dern und bürokratische Hürden zu ihrer Gründung weiter abzubauen.

105 solcher privaten Stiftungen mit einem Kapital zwischen 50 000 und 1,7 Millionen Euro unterstützen in Deutschland den Erhalt von Einzeldenkmälern, erläuterte Kie-sow und dankte den zahlreich in Aachen erschienenen Stiftern.

Keine Feier ohne feierliche Worte: Gut ein Dutzend Reden prägten die zentralen Veranstaltungen zum Tag des Denkmals in Aachen, würdig umrahmt von Grußworten der beiden Bürgermeisterinnen Meike Thüllen (FDP) und Astrid Ströbele (SPD), Dompropst Hans Müllejans sowie musikalischen Beiträgen von Professoren und Studierenden der Aachener und Maastrichter Musikhochschulen.

Als besonderes „Geschenk” der Deutschen Stiftung Denkmalschutz enthüllten Wolfgang Clement, Hans Müllejans, Gottfried Kiesow und Dombaumeister Helmut Maintz schließlich jene drei Sandsteinfiguren über dem Westportal der Domschatzkammer - Maria mit dem Kind, Johannes der Täufer und heiliger Josef -, die mit einem Speziallaser von ihrer schwarzen Kruste befreit worden waren.