Hochleistungssport in der Kneipe

Hochleistungssport in der Kneipe

Aachen (an-o) - Auch ein Weltmeister kann mal Fehler machen. Vor zwei Wochen hat Walter Velz mit dem belgischen Team den Mannschaftstitel bei der Skat-WM gewonnen, jetzt hat er schlicht "die Trumpf" nicht mitgezählt. Beim ernsthaften Skat ist das eine Todsünde.

Wenn die Skatschwestern und -brüder von "Herz Dame Aachen" mittwochs abends im "Forster Eck" trainieren, dann sitzt reichlich Prominenz an den Tischen: Sechs Spieler haben Anfang Oktober in Grömitz den Mannschaftstitel des Weltverbandes ISPA (International Skat Players Association) geholt. Allerdings haben sie nicht für Deutschland gespielt, sondern für das belgische Team.

Die favorisierte Mannschaft aus Deutschland landete nur auf Rang 2 - ziemlich enttäuschend, wenn man bedenkt, dass die 15 besten Spieler der Einzelwertung aus hiesigen Landen stammen. Aber: "Die Belgier haben den Titel verdient", sagt Reinhold Wynands, einziger Aachener in Reihen des deutschen Nationalteams, "das ist eine nette Truppe."

Eine ernste Angelegenheit

Und der Einzel-Weltmeister von 1988 hat einen Trost: In der Klub-Wertung von Herz Dame liegt er mit fast 4.000 Punkten Vorsprung vorn, vor den belgischen Weltmeistern Gerd Neuhaus (Rang 4), Walter Velz (7), Armand Bougard (12), Günter Peters (16), Freddy Wey (17) und Aloys Schröder (31).

Sein Fehler wirft Walter Velz am Mittwoch nicht groß zurück. Es war nur "ein einfacher Herz", das verlorene Spiel war "billig". Gleich darauf holt er zum Doppelschlag aus, zwei Mal "Grand" gewonnen, in der Tabelle der Dreierrunde schießt er an Klub-Präsident Bernd Schneiders und Dieter Debie vorbei an die Spitze. Dabei war der zweite Grand ein ziemlich wackliger: Wären die restlichen Karten anders verteilt gewesen, der Weltmeister wäre baden gegangen. "Da gehört auch viel Pokern zu", grinst er.

Abläufe sind automatisiert

Das Training der Skatbrüder ist eigentlich eine ernste Angelegenheit: Re und Contra, Bock und Ramsch gibts im Gegensatz zum normalen Kneipenskat nicht. Zwei Serien mit je 36 Spielen bestreitet die Dreier-Runde an dem Abend, wobei, nun ja: Manche Spiele spart man sich einfach. Hier sind Voll-Profis am Werk: Ein unverlierbares Spiel, nach den ersten zwei Stichen legt Bernd Schneiders seine Karten hin, die anderen werfen einen Blick und nach kurzer Prüfung gleich ihre Karten darauf. Fehler passieren fast nie, jeder weiß, was der andere tut. So ein Spiel kann man sich sparen.

Die Abläufe sind automatisiert, "man denkt nicht groß nach", so Dieter Debie. Die Skatbrüder spielen zum Teil seit Jahrzehnten, Erfahrung ist in diesem Sport durch nichts zu ersetzen. Ihre Lieblingsbeschäftigung hat sie in alle Welt geführt: Die Spieler von "Herz Dame Aachen" haben schon Welttitelkämpfe in Sydney, Brisbane (beide Australien), Sun City (Südafrika), Clearwater Beach, Anaheim (beide USA), Windhoek (Namibia), Toronto und Montreal (beide Kanada) bestritten. 2004 geht es dann nach Chile.

Doppelsieg bei WM auf Mallorca

Seinen größten Erfolg hat der Klub 1988 bei der WM in Grächen (Schweiz) errungen: Neben dem Einzeltitel für Reinhold Wynands holten sie auch den Mannschaftstitel. Bei der WM 2000 auf Mallorca gelang den Aachenern ein Doppelsieg: Wolfgang Skusa gewann vor Reinhold Wynands. In der Skat-Bundesliga, Gruppe West, stellt der Klub gleich zwei Teams mit je acht Spielern - und das bei gerade 35 Mitgliedern.

Auch wenn es nicht nach Hochleistungssport aussieht: In der Kneipe an der Ecke spielen die Besten ihrer Zunft.

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