1. Kultur

Hier die Pfanne, da das Hausschwein

Hier die Pfanne, da das Hausschwein

Lüttich (an-o/azu) - Menschen drängen sich an Fisch, Gemüse und dem Schreihals mit der best beschichteten Pfanne vorbei. Hasen sitzen in Käfigen und manchmal auch ein Hausschwein. Belgische Märkte sind laut, chaotisch und einfach toll.

So viele Damenbeine bekommt man in dieser gleichförmigen Eleganz sonst nirgends zu sehen. Denn das ist eine der Kuriositäten der wallonischen Märkte, dass Strumpfhändler die Beine von rund 30 Schaufensterpuppen nebeneinander hängen, um auf sich aufmerksam zu machen. Vermutlich hat sich diesen ästhetischen Werbe-Gag mal einer bei einem Jupiler ausgedacht und alle haben es nachgemacht. Ob sie den Rest der Puppe einem Händler für Handschuhe abtreten oder auf den Müll werfen, bleibt ihr Geheimnis.

Chansons im Tiger-Kleid

Auf dem Markt brauchen sich alle und konkurrieren dennoch: Gewonnen hat, wem die Aufmerksamkeit gilt. Gleich, ob mit Lautstärke, Schönheit oder Käse-Duft. Bei sonnigem Wetter auf dem Lütticher Markt "La Batte" ist jeder freie Platz mit einem klapprigen Stuhl und klebrigen Tisch vollgestellt. Ein Mann an der Hammond-Orgel haut auf die Tasten und trifft auch meistens, und eine Sängerin, die das mittlere Alter schon überschritten hat, raunzt im zu knappen Tiger-Kleid Chansons in ein Mikro, das auch schon Jaques Brel in den Händen gehalten haben könnte.

Konkurrenz bekommt diese Show nur vom Pfannenverkäufer nebenan, der sich für mindestens so musikalisch hält (Vielleicht hat er sogar Recht). Der kann ein Aufmerksamkeitsdefizit durch die Tigerlilly gar nicht gut ab und brät und bruzzelt, was die Pfanne hergibt. Aber Essbares läuft in Belgien auch noch so knappen Röcken den Rang ab, und so ist der Mann am Herd selten allein. Nur die Italiener bleiben ruhig, sie schreien nicht, sie toben nicht und fuchteln nicht mit den Armen. Klar, wer Martini und Mortadella, Pasta und Parmesan im Angebot hat, braucht sonst nichts mehr.

Von Aachen die E40 nach Lüttich nehmen, erst Richtung Zentrum, dann den braunen Schildern "La Batte" (wallonisch Quai oder Damm) folgen. Am besten in der Nähe der Kirche St. Pholien, Boulevard de la Constitution, kostenlos parken und zu Fuß über die Brücke gehen.