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Aachen: „Heute Nacht oder nie”: Max Raabe im Eurogress

Aachen : „Heute Nacht oder nie”: Max Raabe im Eurogress

Wo er im edlen Frack auftritt und perfekt gescheitelt im Kegel des Scheinwerfers zum Mikrophon greift, lebt der Glamour einer vergangenen Epoche auf, denn Eleganz, aufgefrischt durch einen Schuss feiner Ironie, ist seine Spezialität: Der Sänger und Entertainer Max Raabe gastiert mit seinem Palast Orchester am kommenden Mittwoch, 29. April, 20 Uhr, im Aachener Eurogress.

„Heute Nacht oder nie”, der flehende Titel des Berliner Chansontexters Marcellus Schiffer, den der Russe Mischa Spoliansky zum Klingen brachte, ist das Motto der aktuellen Tour (und natürlich der neuen CD), die ihren Auftakt in New York hatte.

„Das war besonders spannend, denn dort haben wir das Programm live aufgezeichnet”, schwärmt Raabe von der Carnegie Hall und ihrem Publikum im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die künstlerischen Zusammenhänge zwischen den USA und Europa sind ja viel intensiver, als viele glauben.” Wenn der 46-Jährige auf Reisen ist, bereitet er sich stets auf das Gastland vor, plaudert auf Italienisch, legt sich einen französischen Moderationstext zurecht.

Zum dritten Mal geht es nun nach Tokio. „Da habe ich natürlich den Ehrgeiz, selbst hier in der Landessprache zumindest bühnentauglich zu sein”, erzählt Raabe. Mit Hilfe eines Lehrers hat er bereits zwei Mal „lautmalerisch” Texte einstudiert, die mit Begeisterung aufgenommen wurden. Jetzt wird erneut geübt.

Raabes Musikstil ist unverkennbar: So legt das Orchester oft zunächst einen üppigen „Klangteppich” aus, mit dem der Titel anklingt. Dann erst tritt der Sänger aus dem Bühnenschatten. Was Raabe ganz besonders an den Schlagern der 20er- und 30er-Jahre reizt? „Die Beiläufigkeit, die feine Ironie, die man manchmal erst beim zweiten Hinhören erkennt. Immer wieder entdeckt Raabe neue Songs und findet bisher unbekannte Titel. „Es gibt einige Sammler, die zum Beispiel die Berliner Archive für uns durchforschen und die Bestände der Musikverlage unter die Lupe nehmen”, erzählt er. So manche Idee konnte man umsetzen und aufgefrischt ins Programm integrieren.

Gerade (aber nicht nur) im Hinblick auf Amerika haben sich Max Raabe und sein Orchester an einen weltberühmten Titel herangewagt: „Singin In The Rain”, jenen Song, der durch Gene Kelly zum Evergreen wurde, hat man neu arrangiert und musikalisch vom Erscheinungsjahr 1952 in die frühen 30er Jahre „transferiert” - ein musikalisches Abenteuer, das nicht nur in New York begeisterte. Übrigens: Auf der Bühne inszeniert Raabe gern das elegante Bild. „Die Zuschauer dürfen sportlich kommen”, meint er. „Da gibt es keinen Frack-Zwang...”