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Aachen: Herzversagen: Wilfried Lindner ist tot

Aachen : Herzversagen: Wilfried Lindner ist tot

Engagiert hat er das Projekt einer modernen Regionalzeitung verfolgt. Ein Vollblutjournalist, dessen Qualitäten sich vor allem in der Nähe zu einer Region und ihren Menschen, in der journalistischen Rolle des kritischen Begleiters und des erklärenden Moderators definierte. Wilfried Lindner, von 1996 bis 2003 Chefredakteur der „Aachener Nachrichten”, war ein sympathischer und ehrenwerter Kollege.

Als uns die schlimme Mitteilung erreichte, dass er in der Nacht zum Donnerstag im Alter von nur 53 Jahren plötzlich an Herzversagen gestorben ist, waren wir zunächst geschockt und betroffen, dann sehr traurig.

1996 kam er von der „Rheinischen Post” nach Aachen. Da hatte er bereits wichtige journalistische Stationen erfolgreich absolviert, die ihn als Chefredakteur einer lokalen und regionalen Zeitung prädestinierten. Nach dem Redaktionsvolontariat und kurzer Redakteurstätigkeit bei der „RP” studierte er in Düsseldorf Geschichte, Romanistik und Literaturwissenschaft, wurde 1979 Redakteur der „RP” in Mönchengladbach und übernahm dort 1991 die Redaktionsleitung. Seit 1995 war er Leitender Regionalredakteur für die Region Mittlerer Niederrhein.

Der profilierte Journalist setzte in Aachen als Chefredakteur wesentliche Akzente, modernisierte das Blatt, schuf neue Zuständigkeiten jenseits alter Ressortgrenzen und betonte den lokalen Mehrwert, den Tageszeitungen mit Nähe ihren Leserinnen und Lesern bieten müssen. Persönlich kodierte Befindlichkeiten spielten bei ihm keine Rolle, und er konnte gut Haupt- und Nebenstimmen im Konzert sich wichtig nehmender Akteure einer Region unterscheiden.

Über die Zukunft der Tageszeitungen machte er sich keine Illusionen und wusste, dass es auf dem umkämpften Markt der medialen Möglichkeiten zur Sache geht. Das erklärt sein Engagement und seine Kompetenz auch im Online-Bereich. Er war dabei weder ein entrückter Visionär noch ein Hüter des „Bewährten”.

Seine Arbeit war eine Mischung aus führen und schreiben, moderieren und organisieren, beraten und entscheiden, aus Nähe und Distanz. Er stand in diesem Sinne immer unter Dampf und schwamm ganz vorne mit in dem kontinuierlichen Strom jener verantwortlichen Journalisten, die mit Sinn und Verstand, vor allem aber auch mit Herz der regionalen und lokalen Tageszeitung eine gute Zukunft sichern möchten. Er tat es nie nörgelnd, sondern konstruktiv, nie in falscher Anpassung, sondern mit Standfestigkeit.

Zuletzt war der Vater von zwei Kindern stellvertretender Chefredakteur der „Schwäbischen Zeitung” in Leutkirch und betreute dort 23 Lokalredaktionen.