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Aachen: Herrliche Satire wird überleben

Aachen : Herrliche Satire wird überleben

Wer sich für die brennende Frage „Warum ein Zebra ohne Streifen trotzdem noch kein Pferd sein kann” interessiert, der war beim Bühnenmarathon „EnervéMonologe” im Theater Aachen mindestens ebenso richtig wie der Literatur- und Schauspiel-Enthusiast.

14 jeweils rund 15-minütige Monologe wurden am letzten Tag des Theatertreffens uraufgeführt, das hieß bei zwei Pausen von 11 bis weit nach 17 Uhr nicht nur Sitzfleisch beweisen, sondern auch viel Konzentration.

Eine exerzitienhafte Aufgabe, der sich nicht übermäßig viele, aber doch einige hundert Theaterfreunde gerne unterzogen. Das Spektrum der möglichen Monolog-Thematik erwies sich als äußerst breit gespannt, wobei die von 13 NRW-Theatern beauftragten Autoren in ihre Beiträge immer wieder lustig-ironische Bemerkungen zum verbindlichen Zeitrahmen ihrer bühnenliterarischen Ergüsse einfließen ließen.

Bei der Menge an Teilnehmern kein Wunder, dass auch das Qualitätsniveau der „Dichtungen” durchaus große Unterschiede aufwies. Überragend Klaus Chattens Monolog „Unerhört!”, den das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel in der Inszenierung von Heinz-Rudolf Müller präsentierte: mit einem genial im String-Tanga spielenden Michael Reimann als deutschem Kritiker am Badestrand, der selbst noch das Meer mit falsch positionierten Bötchen „verreißt”.

Beinahe wahr gewordene Rache der Schauspielerin

Eine phantastische Satire auf das deutsche „Kritikerwesen”, die ihren dauerhaften Bestand haben dürfte. Sehenswert auch Stephanie Kahler, die das Aachener Grenzlandtheater mit Lutz Hübners Monolog „Strich ein Tagtraum” (Inszenierung Manfred Langner) in den Marathon geschickt hatte: die beinahe wahr gewordene Rache einer Schauspielerin an ihrem Dramaturgen, der ihre Rolle mal eben komplett gestrichen hatte.

Sehr artifiziell, fast im Charakter einer Performance mit Klang und Videofilm unterlegt: der Beitrag des Theaters Aachen, verfasst von Ulrike Syha, inszeniert von Ali Abdullah, gespielt von Cornelia Dörr: „Die Einsamkeit des Barpianisten darf mich nicht interessieren”.

Eine Frau versucht, ihre eigene Rolle in den Beziehungen zwischen Mutter und Ehemann zu reflektieren. Raffiniert: das eigentlich einfache, aus drei variablen Elementen bestehende Bühnenbild von Marc Thurow.

Das Publikum nahm „EnervéMonologe” als absolute Theater-Bereicherung mit viel Beifall auf. Zum Glück gehen die Texte nicht verloren, die Walter-Hasenclever-Gesellschaft hat sie veröffentlicht.