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Kornelimünster: Heroen der Kunstgeschichte in der Reichsabtei

Kornelimünster : Heroen der Kunstgeschichte in der Reichsabtei

1957 beschließt die nordrhein-westfälische Landesregierung, jährlich eine „Förderungsprämie für Nachwuchskünstler” zu vergeben - in den Kategorien Malerei, Bildhauerei, Architektur, Literatur, Schauspiel, Tanz und anderen Künsten.

Mittlerweile wird der Preis auch im Bereich Medienkunst verliehen, die es vor fünf Jahrzehnten noch nicht gab. 94 bildende Künstler sind auf diese Weise über die Jahre ausgezeichnet worden (die Dotierung liegt zurzeit bei 5000 Euro), viele davon sind heute international bekannt.

Die „Kunst aus Nordrhein-Westfalen” in der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster stellt zum 50-jährigen Jubiläum des Förderpreises jetzt eine Auswahl von 15 der 94 Künstler vor; ihre Bilder und Skulpturen umrahmen die Werke der letztjährigen noch jungen Preisträger Robert Elfgen und Manuel Graf.

Die Hängung besorgte die „Seele” und Leiterin der ehemaligen Reichsabtei, Maria Engels. Die Auswahl traf die Kulturabteilung der Düsseldorfer Staatskanzlei.

Die Namen lesen sich wie das „Who is who” der NRW-Kunst: Ulrich Rückriem, Felix Droese, Konrad Klapheck, Günther Uecker, Ulrike Rosenbach, Ansgar Nierhoff, Klaus Rinke, Ulrich Erben, Katharina Sieverding, Felix Droese, Thomas Ruff, Andreas Gursky, Mischa Kuball, Gregor Schneider und Johannes Wohnseifer.

Fast alle haben geantwortet

Nur zwei der von Maria Engels um ein, zwei aktuelle Werke gebetenen Teilnehmer haben auf die Anfrage nicht geantwortet, alle anderen steuerten zum Teil ganz frische Schaffensfrüchte bei. Sie finden sich in den verschiedensten Kabinetten der Reichsabtei um „hauseigene” Werke ergänzt. Diese kamen in rund 60 Jahren zusammen, seitdem das Land Werke junger, hoffnungsfroher Künstler ankauft, um die Kreativen zu fördern.

So begegnet dem Besucher ein ganzes Stück deutscher Kunstgeschichte: angefangen von einem der maßgeblichen Protagonisten des Informel der 50er Jahre, Gerhard Hoehme, der als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie 24 Jahre lang die Szene prägte.

Seine Überwindung der klassischen Bildformate finden sich nun dokumentiert durch damals wohl revolutionäre dreieckige Lösungen. Konrad Klapheck lässt neben seiner typischen magischen Schreibmaschine mit einer aktuellen figurativen Malerei grüßen. Günther Ueckers monumentale genagelten weißen Platten verströmen einen entfernten Ausdruck von Gewicht und Bedeutung dieses Künstlers.

Stählerne Würfel bezeugen Ansgar Nierhoffs Rang als einer der führenden europäischen Stahlbildhauer. Gewissermaßen sein Pendant in Stein, Ulrich Rückriem, fasst indessen heute keinen Stein mehr an. Eine Galerie steuerte eine Serie von geometrischen Schichtzeichnungen auf transparentem Papier bei.

Bei dieser versammelten Arriviertheit versuchen sich die Preisträger von 1997, Robert Elfgen (Jahrgang 1972) und Manuel Graf (Jahrgang 1978) im Mitteltrakt der Reichsabtei mit ihren Installationen zu behaupten.

Den gebürtigen Wesselinger Elfgen fasziniert das soziale Leben der Bienen und deren Erzeungisse, die er in den Nischen des historischen Gemäuers drapiert, sowie Stärke und Kraft symbolisierendes Getier wie Adler und Löwe, die er als Holzfurnier zu bannen sucht.

Der Düsseldorfer Kunststudent Manuel Graf führt ein hintergründiges Wechselspiel von Objekten und Videoaufnahmen vor.

Im Ergebnis: eine Ausstellung von stilistischer und thematischer Vielfalt, die man so wohl kaum noch einmal irgendwo zu sehen bekommt.