Herbert Pixner Projekt begeistert auf Burg Wilhelmstein

Kostenpflichtiger Inhalt: Burg Wilhelmstein : Musikalische Gipfelstürmer erobern das Flachland

Das Herbert Pixner Projekt begeistert auf Burg Wilhelmstein mit Stilvielfalt, Leidenschaft und Experimentierfreude. Das Quartett aus Tirol kann bereits auf eine eingeschworene Zuhörerschar zählen.

Eine Frau, drei Männer, Harfe, Kontrabass, Gitarren, Harmonikas und jede Menge Holz- und Blechblasinstrumente – so weit die Fakten. Aber der Donnerstagabend auf Burg Wilhelmstein lebt nicht von Fakten. Er lebt von Emotionen, von der Ambivalenz zwischen traditioneller und progressiver Musik, von der enormen Stilvielfalt, die in neue kompositorische Abenteuer mündet. Dafür steht das Herbert Pixner Projekt, das – um es vorweg zu nennen – die Sommernacht zum musikalischen Sommernachtstraum macht. Ein magischer Abend unter freiem Himmel, der das Publikum genauso in Begeisterung versetzt wie das Quartett selbst.

Das Projekt, das aus Namensgeber Herbert Pixner (Diatonische Harmonika, diverse Blech- und Holzblasinstrumente), seiner Schwester Heidi Pixner (Tiroler Volksharfe), Manuel Randi (Gitarren) und Werner Unterlercher (Bass) besteht, kann beim zweiten Auftritt nach der Premiere 2018 auf eine eingeschworene Zuhörerschar zählen. Auch das ist bedeutsam an diesem Abend: Dass das Publikum gerade bei den emotionalen, ruhigen Passagen bis zum letzten Ton zuhört, bevor es in Jubel ausbricht. Das führt dazu, dass – wie es Pixner am Ende sagt, „wir so enorm viel Energie zurückgeben können“.

Im ersten Teil des gut zweistündigen Auftritts präsentiert das Quartett eine Zusammenschau aus „dem Besten“ der Vergangenheit, im zweiten neuere Stücke, vor allem von der jüngsten Scheibe „Lost Elysion“. Die stilistische Ausrichtung des Quartetts ist zugleich sein Alleinstellungsmerkmal. Natürlich können und wollen die Süd- und Osttiroler ihre Herkunft nicht leugnen, aber die alpenländischen Elemente sind ganz weit weg von jeder klischeehaften Pop-Volksmusik des simplen Mainstreams. In die regionale Klassik mischen Pixner und Co Elemente der Weltmusik, von Blues, Tango, Bossa, Jazz und lupenreinem Rock. Diese Stile verschmelzen, sie werden zu einem großen Neuen. Dieses musikalische Abenteuer funktioniert wegen der unglaublichen Virtuosität, mit der die Musiker ihre Instrumente ehren.

Es funktioniert aber auch wegen der fühlbaren Leidenschaft und hohen Authentizität auf der Bühne. Heidi Pixner und Werner Unterlercher flankieren in wohltuender Unaufgeregtheit Pixner und Randi, die sich während des gesamten Konzertes duellieren und zu atemberaubenden Improvisationen anstacheln. Ein Zweikampf, der den beiden Musikern stets selbst ein Lächeln ins Gesicht zaubert und offensichtlich ungeheures Vergnügen bereitet. Die Interaktion mit dem Publikum leidet darunter keinen Moment.

Das liegt aber auch an der enorm sympathischen Bühnenpräsenz. Pixner ist nicht nur Musiker, er ist auch Geschichtenerzähler wie beim Stück „Sennentuntschi“, das auf einer Schweizer Gruselgeschichte basiert. „Und hierzu liefern wir die Musik“, sagt Pixner, der mit seinen Schilderungen Bilder im Kopf seines Publikums erzeugt. Ob nun solche eines Sonnenaufgangs in den Bergen bei „Morgenrot“ oder die von Fels, Karen und Schnee bei „Alps“.

Gerade die Stücke von „Lost Elysion“ zeugen von der progressiven Experimentierfreudigkeit des Quartetts, innovativ, aber nie selbstverliebt. Die Tiroler kokettieren ein wenig mit ihrer musikalischen Herkunft, liefern auch Showelemente mit einem leicht selbstironischen Augenzwinkern.

Und zum Abschluss gibt es dann doch eine lupenreine Polka und ein italienisches „Ninnananna“, ein Schlaflied, das die Besucher des ausgebuchten Runds an der Burg Wilhelmstein aus einem zauberhaften Abend entlässt.

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