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Frankfurt/Main: Heftige Proteste: Buchmesse in München?

Frankfurt/Main : Heftige Proteste: Buchmesse in München?

Die Ankündigung von Buchmessen-Direktor Volker Neumann, die Frankfurter Buchmesse vielleicht nach München zu verlagern, ist auf heftigen Widerstand gestoßen.

Die weltgrößte Buchmesse gehöre zu Frankfurt und müsse dort bleiben, lautete die Meinung zahlreicher Politiker und Kulturkernner. Neumann hatte München wegen dort angeblicher besserer Konditionen als „ernsthafte Alternative” zu Frankfurt bezeichnet.

„Die Buchmesse gehört in die Stadt der Weisheit und nicht in die Stadt der Weißwurst”, sagte Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Zum Charakter der Messe gehöre das Messegelände mitten in der Stadt. Ob die Besucher eine Messe außerhalb der City wie in München akzeptieren würden, sei zweifelhaft.

Neumann hatte sich vor allem über zu hohe Preise für Standmieten und für Hotelzimmer beklagt. Beides sei in München günstiger. Außerdem sei das Frankfurter Messegelände mit seinen teilweise nicht mehr zeitgemäßen Räumlichkeiten problematisch. Diese Kritik wies Messe-Sprecher Andreas Kaster zurück. Die Mietpreise seien nicht - wie von der Buchmesse behauptet - seit 1997 um 50 Prozent gestiegen.

Gerade die Buchmesse profitiere von der neuen Halle 3, die zu den modernsten Messehallen in Europa zähle. Die Buchmesse habe mit der Frankfurter Messe einen Vertrag bis 2007. Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth will die wichtigsten Gesprächspartner in den nächsten Tagen zu einem Treffen über die Zukunft der Buchmesse einladen.

Die Stadt wird der Buchmesse nach Darstellung von Kulturdezernent Hans-Bernhard Nordhoff (SPD) keine Dumpingpreise anbieten.

„Ein Poker, bei dem es nicht um kulturelle Werte geht”

Die Diskussion um den Verbleib der größten Bücherschau der Welt in Frankfurt nannte er am Freitag einen „Poker”, bei dem es „nicht um kulturelle Werte, sondern um Knete” gehe.

Gesprächsbereitschaft über die Konditionen für die Buchmesse signalisierte der Geschäftsführer der Messe Frankfurt, Gerhard Gladitsch. Auch in der Vergangenheit sei man „schon immer zu Zugeständnissen bereit” gewesen.

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki nannte eine Verlegung der Buchmesse von Frankfurt nach München „leichtfertig und falsch”. Reich-Ranicki sagte im Hessischen Rundfunk (hr), die Buchmesse sei seit mehr als einem halben Jahrhundert in Frankfurt. „Ich bin dagegen, dass man eine solche Tradition zerstört.”