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Heerlen: Mezzosopranistin Katherine Jenkins gibt Gala

Konzert : Schöne Karriere: Vom Model zur Mezzosopranistin

Schöner kann eine Karriere kaum laufen. Erst attraktiver Tour-Guide am London Eye, dann Model vor der Kamera und „The Face of Wales 2000“.

Dass Katherine Jenkins bildhübsch ist, passt buchstäblich perfekt in den Rahmen. Und sicher hilft es. Aber es umreißt ihre künstlerischen Fähigkeiten nicht ansatzweise. Die 38-Jährige ist ein Phänomen in der Klassikwelt. Zart und gewaltig. Am Samstag, 27. Oktober, gastiert die außergewöhnliche walisische Mezzosopranistin mit der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg im Theater Heerlen um 20 Uhr. Der niederländische Spielort ist kaum 20 Minuten von Aachen entfernt.

Schon zwischen 2004 und 2008 belegen sechs der bis dahin sieben Studio-Alben von Jenkins mit über vier Millionen verkauften Platten jeweils die Nummer eins der britischen Klassik-Charts. Mittlerweile hat sie zwölf Nummer-eins-Alben platziert. Sie ist zum Top-Star avanciert – auch weil sie den Crossover-Spagat zwischen Klassik und Pop perfekt beherrscht. Stimme, Ausstrahlung, Prominenz: Ihr glückt einfach alles mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit, und tatsächlich mit Tiefgang. Sie singt in der Westminster Cathedral vor Papst Johannes Paul II., vor britischen Truppen im Irak, in Hongkong mit Placido Domingo, in Europa mit Andrea Bocelli und André Rieu sowie Songs von Take That’s Gary Barlow im Fernsehen. Was die vor allem auf der Insel enorm populäre blonde Ausnahmeentertainerin schlagartig in die Popcharts katapultiert.

Dabei dreht sich ihr Leben eigentlich schon früh nur um Musik. „Ich war erst 15 Jahre alt, als mein Vater starb“, sagt sie. „Die Zeit danach war entsetzlich schwierig für meine Mutter, meine Schwester und mich. Aber die Musik hat mir darüber nicht einfach hinweggeholfen, sie hat durch jenen Verlust nur noch mehr tiefe Emotionen in mir geweckt.“ Dies habe während ihrer gesamten musikalischen Laufbahn – vom Studium bis zum Zehn-Millionen-Dollar Plattenvertrag mit Universal und Decca Records – immer eine gewichtige Rolle gespielt, betont Jenkins.

Ihre professionelle Gesangskarriere beginnt mit herausragenden Kritiken für Rossinis „Una voce poco fa“. Das war vor 18 Jahren. 2014 heiratet die Künstlerin, nachdem sie auf Konzertreisen mehrfach den Globus umrundet hat. „Home Sweet Home“ heißt das nächste Album. Dann bekommt sie zwei Kinder. „Seitdem Aaliyah und Xander auf der Welt sind, spüre ich noch mehr und intensivere emotionale Seiten an mir. Für meine Familie bin ich unendlich dankbar. Jetzt habe ich mich endlich gefunden, übrigens auch meine echte, meine authentische, meine wahre Stimme“, erläutert der Klassikstar. Ihr jüngstes Projekt betitelt sie „Guiding Light“ und „Songs Of Praise“. „Meine Stimme hat sich gewandelt. Dieses Album ist das intimste Werk, das ich jemals eingesungen habe“, verrät sie. Und fügt hinzu: „Ich versuche nicht mehr in jedem Moment zu beweisen, wie viele Töne ich treffen kann. Ich möchte mein Publikum vielmehr mit auf eine hochemotionale Reise nehmen, Herzen und Seelen berühren“, sagt die Sängerin. Am 27. Oktober in Heerlen dürfen die Zuhörer beim noblen Galakonzert berührt einsteigen. Es läuft für Katherine Jenkins.