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Würselen: Havanna-Flair: Omara Portuondo auf der Burg

Würselen : Havanna-Flair: Omara Portuondo auf der Burg

Die ersten heißen Takte, und schon ist alles da: Havanna, warme Nächte, sinnliche Rhythmen, Rumba, Cha-Cha-Cha und Habanera.

Mit der afrokubanischen Sängerin Omara Portuondo und ihrer zwölfköpfigen Band verwandelte sich die Bühne von Burg Wilhelmstein in ein brodelndes Zentrum leidenschaftlicher Musik.

Die große Dame des Buena Vista Social Clubs hat inzwischen 50 Bühnenjahre hinter sich. Wer sie in Würselen erlebt, spürt, wie sehr diese Künstlerin aus der Musik lebt, wie sie Wärme und Gefühl, die Geschichten von Liebe und Leid an ihr Publikum weitergeben will.

Omara Portuondo und ihre Musiker - das ist eine Symbiose ganz besonderer Art, geprägt von gegenseitiger Zuneigung und Anerkennung. Das Flair von Tradition und kubanischer Musikgeschichte, gemischt mit jazzigen Elementen, sorgt für eine angenehm prickelnde Atmosphäre in der Arena, die bis auf den letzten Platz besetzt ist.

Omara im Aubergine-farbenen Glitzerensemble, sorgfältig toupiert und frisiert, die Herren in Anzügen, die meisten sogar mit Krawatte und manche wie Gitarrist Gilberto Oviedo La Portillo, der Meister der kubanischen „Tres”, sogar im Havanna-Gentleman-Look mit Gamaschen (ein bisschen der Stil von Ibrahim Ferrer beim „Buena Vista Social Club”).

Der Kontakt zum Auditorium ist Omara wichtig. Eine Bewegung der schmalen Hände, und der Applaus für die auch solistisch hervorragenden Mitstreiter unter der Leitung des freundlich-souveränen Francisco Garcia Rodriguez schwillt an, es wird mitgeklatscht und getanzt.

Omara bewegt ihre Zuhörer im wahrsten Sinne des Wortes. Die Mischung aus Melancholie und Charme, Lebensfreude und Wehmut prägt den Abend. Ihre Stimme ist kraftvoll in allen Facetten. Omara Portuondo beweist, wie beweglich und wie alterslos man mit nahezu 72 Jahren noch sein kann.

Nur Gilberto kann das für einen Moment steigern. Er ist bereits 77 und lässt zum tosenden Applaus der Zuschauer seine Gitarre während des Spielens über den Nacken wirbeln. Das Non-Stopp-Programm läuft ab wie ein Uhrwerk.

Und gegen Ende dann noch eine Überraschung: Als besonderer Gast tauscht Roberto Alain Fonseca Cortés mit dem hervorragenden Rolando Marcelino Baro Riba den Platz am Piano. Ein virtuoser Musiker, kreativ in der Jazz-Improvisation, dem zusammen mit der höchst konzentrierten Omara eine atemberaubend junge und ergreifende Interpretation des berühmten „Besame mucho” gelingt. Rauschender Beifall für alle.