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Köln: Haute Couture: Kostbar und kostspielig

Köln : Haute Couture: Kostbar und kostspielig

Der 50-Jährige, der im Oktober 1955 auf dem Flughafen Berlin Tempelhof landet, wirkt scheu und unscheinbar. Sein Gesicht mit der Stirnglatze, der spitzen Nase und dem fliehenden Kinn ist keins, das sich einprägt. Dennoch reißen sich die Medien um ihn. Denn der scheue Franzose ist kein Geringerer als Christian Dior (1905-1957).

Der Mann, der den Frauen nach dem Krieg wieder erlaubte, im Luxus zu schwelgen. Der sie in verschwenderisch üppige Stoffmengen hüllte, ihrem Körper die Form einer Sanduhr gab und ihrer Silhouette die Anmut einer Krinoline tragenden Gräfin.Wer an Dior denkt, denkt an Paris. Doch auch mit Deutschland verbanden den Modeschöpfer vielfältige Beziehungen. Wie genau die aussahen, zeigt derzeit das Museum für Angewandte Kunst in Köln.

Im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Christian Dior und Deutschland” stehen die Jahre 1947 bis 1957. In diesem Zeitraum präsentierte das legendäre Modehaus hierzulande zehn Modenschauen: in Heidelberg, Hamburg und München, Bad Godesberg, Düsseldorf und Essen.

Höhepunkt war Diors Besuch. Er diente nicht nur, wie der Sohn eines Großindustriellen aus der Normandie immer wieder betonte, dem „kulturellen Austausch”, sondern auch handfesten wirtschaftlichen Interessen. Um die hohen Einfuhrzölle zu umgehen, vergab Dior seinen Namen an ausgewählte Firmen in Deutschland.

Edler Modeschmuck aus Pforzheim oder hauchzarte Feinstrümpfe aus Lippstadt durften sich fortan mit jenem Schriftzug schmücken, der Frauenaugen in aller Welt bis heute zum Leuchten bringt. In der Schau sind diese Schmuckstücke und Strümpfe zu sehen, aber auch andere Accessoires wie Hüte, Handschuhe oder Pumps.

Insgesamt 160 Exponate verdeutlichen, warum der Modezar zum Mythos für Millionen wurde. Was er schuf, war kostbar und kostspielig zugleich. Die 20 Haute-Couture-Modelle, die in der Schau zu sehen sind, tragen klangvoll-verführerische Namen wie „Tamanaco”, „Saphir” oder „Indiscretion”.

Ihre raffinierten Schnitte, die hochwertigen, schweren Materialien und die erstklassige Verarbeitung machten ihre Trägerinnen zu perfekten Botschafterinnen des „New Look”. Am 24. Oktober jährt sich Diors Todestag zum 50. Mal. Sein Ruhm ist ungebrochen und „der Glanz, den sein Name ausstrahlt”, betont die Kuratorin Adelheid Rasche, „bis heute unglaublich”.

„Christian Dior und Deutschland 1947 bis 1957” bis 30. September im Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtsschule, Köln.

Geöffnet dienstags bis sonntags jeweils 11 bis 17 Uhr.

Eintrittspreise: 5 Euro, ermäßigt 2,70 Euro.

Katalog, 270 Seiten, 29,80 Euro.