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Frankfurt/Main: Harte Verfechterin der Wahrheit: Susan Sontag

Frankfurt/Main : Harte Verfechterin der Wahrheit: Susan Sontag

Die amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag hat den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten.

Die erbitterte Gegnerin der US-Politik kritisierte am Sonntag in ihrer Rede das „imperiale Programm” von Präsident George W. Bush und das Fehlen des amerikanischen Botschafters beim Festakt.

Die mit Spannung erwartete Rede war jedoch weitgehend philosophisch angelegt und beleuchtete die Wurzeln für die derzeitige Entfremdung zwischen den USA und Europa. Vor rund 700 Gästen in der Paulskirche nannte Börsenvereins-Vorsteher Dieter Schormann die 70-jährige Autorin eine „Friedensstifterin mit ausgeprägten Sensoren für Moral und Unmoral”. Sontag sei keine Diplomatin, sondern sehe es als ihre erste Pflicht an, die Wahrheit auszusprechen.

Sontag, die als hervorragende Kennerin der deutschen Literatur und „europäischste Intellektuelle” in den USA gilt, ist vor allem durch kultur- und zeitkritische Bücher international bekannt geworden. Der Friedenspreis wird seit 1950 verliehen. Mit Sontag geht die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung zum vierten Mal in die USA.

„Es ist kein Zufall, dass der energische amerikanische Verteidigungsminister einen Keil zwischen die Länder Europas zu treiben versuchte, indem er auf unvergessliche Art zwischen dem alten (schlechten) und dem neuen (guten) Europa unterschied”, sagte Sontag in Anspielung auf Donald Rumsfelds Äußerungen vor dem Irak-Feldzug.

Die Autorin erinnerte daran, dass es seit Gründung der Vereinigten Staaten als „neo-europäischem Land” stets einen unterschwelligen Gegensatz zum „alten” Europa gegeben habe. Sontag zeigte keinerlei Verständnis für den Vorwurf, Deutschland mangle es an missionarischem Eifer zur kriegerischen Verteidigung dieser Zivilisation. Man könne einem Land, das fast ein Jahrhundert lang Schrecken über die Welt gebracht habe, nicht jetzt vorwerfen, pazifistisch zu sein.

„Die Amerikaner haben sich daran gewöhnt, die Welt als eine Welt von Feinden wahrzunehmen.” Angesichts der Unterschiede zwischen den USA und Europa seien die Gegensätze nicht so schnell zu lösen.

„Die Vorherrschaft Amerikas ist eine Tatsache. Aber Amerika, wie inzwischen auch seine derzeitige Regierung einzusehen beginnt, kann nicht alles alleine machen”, sagte Sontag. In seiner Laudatio bezeichnete der Berliner Literaturkritiker Ivan Nagel Susan Sontag als „ein Vorbild heute für Denkende, Intellektuelle”.