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Kevelaer: Harte Biker beten in Kevelaer

Kevelaer : Harte Biker beten in Kevelaer

Lederkluft und Muskelshirts, blinkende Rennmaschinen und verchromte Harleys: Das sieht man im beschaulichen Wallfahrtsort Kevelaer nur selten. Doch am Wochenende wird die Biker-Szene die kleine Ortschaft am Niederrhein wieder beherrschen.

Gut 2000 Leute werden zur größten deutschen Motorrad-Wallfahrt dieser Art erwartet. Mit ernsten Minen werden sie neben der kleinen Kapelle, die das Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten” beherbergt, den Segen der Mutter Gottes erbitten.

„Es ist jedes Mal etwas Besonderes, wenn Wallfahrtsrektor Stefan Zekorn durch die Reihen geht und die Maschinen segnet”, berichtet Markus Appel vom Verein „Motorradfahrerwallfahrt Kevelaer”, der die Pilgerfahrt auf Rädern seit 23 Jahren am dritten Juli-Wochenende organisiert. „Da ruft schon mal einer: Kommen Sie zurück, mein Motorrad hat noch kein Weihwasser abgekriegt.” Mindestens so wichtig ist den Bikern die Erinnerung an verunglückte oder verstorbene Freunde. „Wir beten für die, die nicht bei uns sein können”, sagt Appel.

In der Kapelle „Maria in der Not” haben die Motorradfahrer eine Erinnerungsstätte errichtet. Auf einer gold glänzenden Gedenkrolle verzeichnen sie die Namen derer, die auf der Straße ihr Leben ließen. Jedes Jahr kommen neue hinzu. „Das ist auch eine Gelegenheit, darüber nachzudenken”, so Appel, „wie schnell etwas passieren kann. Wir bitten darum, immer heil anzukommen.”

Schnelle Touren lieben schließlich alle Biker, auch die gläubigen, weiß der Organisator. Am Samstagabend aber werden sie 50 km/h nicht überschreiten: Im langen Tross machen sich die schweren Jungs und Mädchen dann zur traditionellen „Lichterfahrt” auf. Ein Kreuz auf dem vordersten Motorrad führt den Konvoi an. Der Weg mit leuchtenden Scheinwerfern dauert eine Stunde in Richtung Niederlande und zurück nach Kevelaer zum Kapellenplatz. Schaulustige säumen den Straßenrand, um das Spektakel zu verfolgen.

Auch nach Kevelaer werden wieder Franzosen und Belgier, Engländer und Niederländer kommen. Andere reisen vom Bodensee oder von der Nordsee an. Und spätestens am Samstagabend, so Appel, wenn die Lichterfahrt vorüber ist und auf dem Biker-Zeltplatz die Band Al-Gusto zu spielen anfängt, unterscheidet sich die Wallfahrt kaum noch von einem normalen Bikertreffen. Mit einer Ausnahme: „Bei uns gibt es weniger Rockmusik und kaum eine Prügelei.”