Aachen: Hans von Aachen schlägt weltweit Wellen

Aachen: Hans von Aachen schlägt weltweit Wellen

„Der Mann kann voll gut malen. Wir kommen wieder.” Das hat irgendein Steppke als Ausdruck seiner Begeisterung für Hans von Aachen im Gästebuch des Suermondt-Ludwig-Museums hinterlassen. „Wat een prachtige tentonstelling”, schrieb ein niederländischer Nachbar.

„Ein Direktor, der endlich das Museum aus dem Dornröschenschlaf geweckt hat. Ihm gebürt Ehre + Dank.” „Ein Fest für die Sinne.” „Summa cum laude.” Seite für Seite eng beschrieben in dem dicken Buch - die pure Euphorie. Hans von Aachen schlägt Wellen - und das weltweit. Diese Zwischenbilanz lässt sich jetzt nach acht der insgesamt dreizehneinhalb Wochen Ausstellungszeit ziehen.

Schätzungsweise 14.000 Menschen haben die Schau bislang besucht, 50 Prozent davon kamen aus Aachen, die andere Hälfte aus dem Ausland, vor allem aus den Niederlanden, sowie aus Süddeutschland, dem Ruhrgebiet, dem Köln-Düsseldorfer Raum und vor allem aus Berlin. „In den ersten Tagen waren sehr viele Italiener und Spanier hier”, wundert sich selbst der Direktor, Peter van den Brink. „Keiner weiß, warum.”

Den großen Erfolg dokumentiert die lange Liste der überregionalen und internationalen Presse, die der Schau zum Teil mehrseitige Beilagen gewidmet hat. Das reicht von der „FAZ”, dem „Handelsblatt”, der „Neuen Züricher Zeitung” dem belgischen „Le Soir”, der österreichischen „Presse” bis zum „Burlington Magazine”, den „Fair & Expo News” in den USA und alle wichtigen europäischen Kunstmagazine. „Endlich wiederentdeckt: Eine Ausstellung feiert den großartig-schillernden Renaissancekünstler Hans von Aachen”, schwärmt „Die Zeit” ebenso wie das „aspekte”-Magazin im ZDF: „Hans von Aachen ist die Wiederentdeckung des Jahres.”

Ausgezahlt hat sich vor allem die Investition von 8000 Euro - Übersetzungskosten nicht mitgerechnet - in den umfassenden, dreisprachigen Web-Auftritt unter der Adresse http://www.hans-von-aachen.com, die zwischen Amerika, Australien und Japan auf der ganzen Welt angeklickt wird. Die Besucher stammen aus 52 Ländern und tummeln sich auf der Website durchschnittlich vier Minuten. Viele „Freunde” finden sich auf Facebook, wo auch eine riesige Menge an Pressestimmen nachzulesen ist. Immerhin haben gut 100 Medien berichtet - mit durchschlagender Wirkung. Einer der wichtigsten Faktoren dabei: Erstmals begleitet mit Peter Motz ein professioneller Pressemitarbeiter das ganze Projekt - van den Brink: „Wir sind sehr glücklich mit ihm.”

Der richtige „Run”soll indessen erst noch kommen. Peter van den Brink rechnet mit einem Ansturm an den kommenden Feiertagen und den beginnenden Ferien im Juni. Und in Rotterdam und Amsterdam finden in Kürze wichtige Kongresse internationaler Kunsthistoriker, Wissenschaftler und Museumsexperten statt, die ihren Besuch bereits angekündigt haben. „Viele Amerikaner sind dabei.” Die ganze Spitze des Kölner Wallraf-Richartz-Museums hat sich angesagt, und an diesem Mittwoch führt van den Brink den neuen niederländischen Botschafter in Berlin, Marnix Krop, durch die Ausstellung.

Das Erstaunliche: Geschlagene zwei Stunden halten sich die Besucher durchschnittlich bei Hans von Aachen auf, stürzen sich zu Anfang meist gleich auf die Gemälde, um nach einer Stunde den 20-minütigen Film von Arndt Lorenz mit Interviews von Alice Taatgen über den Künstler anzuschauen, um dann mit frischer Kraft noch gut eine halbe Stunde den Zeichnungen zu widmen. „Es freut mich, dass wir die hochgesteckten Erwartungen des Publikums erfüllen konnten. Die Besucher zeigen sich sehr zufrieden”, sagt Kurator Thomas Fusenig.

Allein 130 Sonderführungen wurden gebucht, zusätzlich zu den normalen Führungen. Da ist das Damenkränzchen aus Valkenburg ebenso dabei wie eine Gruppe Kunden diverser Spnsoren. Kaum einer der niederländischen Touristen in Südlimburg lässt einen Abstecher zu Hans von Aachen aus. Im Shop wurden bereits Artikel für 25.000 Euro verkauft.

Selbst das Wetter spielt begünstigend mit: „Nass und kalt ist das ideale Museumswetter”, lächelt van den Brink so ganz und gar nicht mitleidig, denn die Erfahrung sagt: Bei Sonnenschein bleibt auch der kunstsinnige Zeitgenosse lieber in der freien Natur oder auf der Terrasse. Beste Aussichten für Hans von Aachen!

Jetzt muss sich nur noch ein Schriftgelehrter finden, der die geschwungenen Schnörkel auf einer Seite im Gästebuch des Hauses einer (arabischen?) Schrift zuordnet und übersetzen kann. Wie auch den vermutlich freundlichen Gruß eines Japaners.

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