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Aachen: „Hanns Dieter Hüsch war für mich ein einmaliges Kunstwerk”

Aachen : „Hanns Dieter Hüsch war für mich ein einmaliges Kunstwerk”

Was ihn an Hanns Dieter Hüsch am meisten fasziniert hat? „Seine Zeitlosigkeit, seine Leichtigkeit, seine Menschenliebe”, sagt der Kabarettist und Musiker Lars Reichow. „Was er sagte oder tat, es war alles ehrlich gemeint.”

Ihm, dem Schutzpatron des Kabarettpreises „Das Schwarze Schaf vom Niederrhein”, hat Reichow, der sich auf der Bühne am liebsten lässig am Klavier präsentiert, jetzt ein Programm gewidmet, mit dem er am Samstag, 1. September, 20 Uhr, im Aachener Jakobshof (Stromgasse) gastieren wird.

Freundschaftsbeweis

„Hüsch & Ich” ist nicht nur das Bekenntnis des Künstlers aus dem Jahrgang 1964 zu seinem 2005 im Alter von 80 Jahren gestorbenen Vorbild, sondern auch ein großer Freundschaftsbeweis. Als 16-Jähriger durfte Lars Reichow - damals noch Posaunist in der Band seines Vaters - Hanns Dieter Hüsch bei dessen „Hagenbuch-Tournee” begleiten. „Ich habe immer zu ihm aufgeschaut”, erinnert er sich.

Um so mehr hat es ihn gefreut, als Hüsch zu seinen ersten Programmen meinte: „Gefällt mir gut”, und Reichow, bei dem die Musik von Anfang an ein wichtiges Elemnt war, lobte: „So wollte ich immer Klavier spielen.” Das Programm „Hüsch & Ich” hat Reichow auf Anregung des Mainzer Kabaretts „Unterhaus” entworfen, das dem großen Kollegen ein Andenken widmen wollte.

„Ich werde ihn auf keinen Fall nachahmen”, verrät Reichow. „Es wird ein Programm sein, bei dem ich Sachen von mir und Hüsch mische und ganz bewusst nicht verrate, was von wem ist.” Und zum Schluss verspricht er noch eine kleine, bewegende Überraschung für das Publikum.

Ihm liegt eine Menge daran, das geistige und freundschaftliche Band zwischen ihm und Hüsch darzulegen, das Außergewöhnliche dieser Beziehung einem „Hüsch”-Publikum zu „erzählen”, das gleichfalls schon etwas älter geworden ist. „Das kann heikel sein, denn viele haben eine sehr persönliche Beziehung zu ihm und seiner Kunst.”

Wer war Hanns Dieter Hüsch? Eine Frage, die Lars Reichow mit spürbarer Herzlichkeit beantwortet. „Er hat eigentlich nur auf der Bühne gelebt, 250 Termine im Jahr, das war schon unglaublich”, meint er nachdenklich. „Seine Stimme war etwas Besonderes, man erkannte ihn im Radio sofort.”

Nicht zuletzt sein persönliches Schicksal habe ihn geprägt. „Wegen einer Missbildung der Füße musste er als Jugendlicher oft operiert werden, das war schrecklich. Er war sehr isoliert.”

Umso eindrucksvoller war für ihn, wie es Hüsch gelang, klein und schmal auf einer fast leeren Bühne ein oft sehr großes Publikum zu fesseln - unter anderem im vollbesetzten Audimax der RWTH Aachen. „Ein steil aufragender Raum und eine Wahnsinnsstimmung. Bei seinem ,Gute Nacht´ war alles still im Raum.” Für Lars Reichow steht fest: „Hanns Dieter Hüsch war für mich ein einmaliges Kunstwerk.”

Und wenn sich Reichow mit seinen musikalisch-literarischen Programmen von „Glücklich in Deutschland” bis „piano Torte” präsentierte, hat Hüsch stets sehr genau hingehört. „Er sagte oft: ,Das ist ernst. Ein Liebeslied ist schließlich kein Spaß”, erinnert sich Reichow. Nur eine von vielen Weisheiten, die er dem väterlichen Freund verdankt.