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Aachen/Düren: Handy-Coup: Knapp fünf Jahre für Drahtzieher

Aachen/Düren : Handy-Coup: Knapp fünf Jahre für Drahtzieher

Sieben Angeklagte harrten am Donnerstag im Prozess um den dreisten Diebstahl eines kompletten Sattelzuges, dessen Ladefläche mit 21 Paletten voller Handys im Wert von etwa 1,3 Millionen Euro bestückt war, auf den Urteilsspruch der Aachener Jugendkammer, Vorsitz Richterin Angelika Kasparek.

Die drei 26-jährigen Haupttäter bei dem ungewöhnlichen Coup im April 2004 auf der A 9 in Süddeutschland müssen langjährige Freiheitsstrafen absitzen: vier Jahre und acht Monate der Drahtzieher des Raubzuges, jeweils drei Jahre und drei Monate zwei seiner Mittäter.

Erschwerend kam hinzu, dass die Räuber laut Gericht den ersten Fahrer des Lkw unter Todesdrohungen gefesselt hatten und ihn in den Stunden der Gefangenschaft weiter bedrohten und zum Schluss in den Kofferraum des Passats steckten - für die Richterin ein äußerst „brutales Vorgehen”.

Der zweite Fahrer, ebenfalls ein Russlanddeutscher, machte dagegen gemeinsame Sache mit den Tätern. Der junge Mann war zur Tatzeit erst 20 Jahre alt. Er zeige, so Kasparek, Einsicht und Reue in sein Fehlverhalten. Das bescherte dem Angeklagten das Wohlwollen der Kammer: Der Beifahrer war gleichzeitig Informant über die Route des Lkw, der für eine Spedition aus Bornheim bei Bonn fuhr.

Er kam mit eineinhalb Jahren Jugendstrafe davon, die das Gericht für drei Jahre auf Bewährung aussetzte. Ein weiterer Jugendlicher, der direkt Tatbeteiligter war und den Coup von Bonn aus mit seinem Handy koordinierte, bekam zwei Jahre Jugendstrafe ebenfalls auf Bewährung. Zwei weitere Angeklagte klassifizierte das Gericht als wenig informierte „Helfer”. Sie erhielt ein Jahr auf Bewährung.

Der Drahtzieher hatte am 19. April Wind davon bekommen, dass der Laster eine Ladung Elektrogeräte am 20. abends vom Frankfurter Flughafen nach Mailand bringen sollte. Der Tatplan war bereits vorher gefasst worden, man wartete auf eine Gelegenheit.

Der Lkw fuhr fuhr gegen 20 Uhr beladen vom Fraport ab, am Steuer der junge Beifahrer, der Hauptfahrer schlief in der Koje. An der Raststätte Greding war es so weit, der Laster wurde gekapert und ins Gewerbegebiet in Düren-Merken gefahren. Zwar hatten die Diebe versucht, das Satelliten-Navigationssystem (GPS) des Lasters zu zerstören. Da es aber noch arbeitete, umzingelte am Morgen ein SEK-Kommando die Lagerhalle.