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Aachen: Haftbriefe an die „Prinzessin”

Aachen : Haftbriefe an die „Prinzessin”

In mehreren Briefen an seine Tochter rechnet der wegen der Tötung des Kindes Max Luca (2) angeklagte Jörg B. aus Schleiden mit der ebenfalls vor dem Aachener Schwurgericht angeklagten Mutter des Kindes ab.

„Was diese Frau uns angetan hat, das wünsche ich nicht meinem schlimmsten Feind”, beschwert er sich. Die 22-Jährige habe „unsere kleine Familie” auseinander gebracht und ins Unglück gerissen, schreibt der 42-Jährige.

In den Briefen von vor Weihnachten aus der Untersuchungshaft tituliert er die 15-jährige Tochter als seine „Prinzessin”. Sie habe es immer gut bei ihm gehabt, meinte er beschwörend. „Ich muss lesen, ich soll dich auch geschlagen haben.” Das stimme doch nicht.

Die Briefe las der Vorsitzende Richter Dr. Gerd Nohl am Freitagmorgen öffentlich vor. Jörg B. saß währenddessen scheinbar noch tiefer in sich zusammengesunken auf der Bank, manchmal schien er zu schluchzen.

Einige Passagen, insgesamt fünf Briefe lagen vor, lassen darauf schließen, dass er die Schuld am Tod von Max Luca von sich weisen wird - falls er sich vor der Kammer zu den Vorwürfen einlassen würde. „Ich habe noch nie einem Kind was zuleide getan”, hieß es dort wörtlich.

Sein Verteidiger, der Kölner Anwalt Christoph Klein, regte in einem Beweisantrag an, nochmals einen radiologischen Gutachter zum Komplex „Abriss oder Nichtabriss der Halsarterie” und die Folgen für den Hirnbefund des Kindes zu hören.

Zu Beginn des Prozesstages berichtete ein Euskirchener Kripobeamter über die Vernehmung der 22-jährigen Nicole B. aus Thüringen. Die Mutter habe, beschrieb der Polizist ihre seelische Verfassung direkt nach der Einlieferung des Kindes in die Aachener Uniklinik, völlig willenlos und apathisch da gesessen.

„Sie drängte nicht danach, zu ihrem Kind zu kommen. Sie war abwesend, ohne Persönlichkeit, als ob sie unter Betäubungsmitteln stehe”, beschrieb er die Frau. Das bestätigte eine Blutuntersuchung indessen nicht.

Am kommenden Montag, 25. Februar, geht der Prozess ab 9 Uhr weiter, für den Nachmittag sind die die Gutachter vorgesehen.