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Gute Laune und null Tiefgang bei Operette „Im weißen Rössl“ in Köln

Kölner Oper : Gute Laune und null Tiefgang bei Operette „Im weißen Rössl“

Gute Laune garantiert die Kölner Oper mit ihrer Neuinszenierung von Ralph Benatzkys Operette „Im weißen Rössl“. Dass das turbulente, mit etlichen Ohrwürmern gespickte Stück im Sommer spielt, passt zwar nicht zur Jahreszeit, trübt aber nicht die Freude des Publikums an der turbulenten Produktion.

Im Uraufführungsjahr 1930 konnten die Menschen eine Prise Sorglosigkeit gut vertragen. Das geschickte Libretto verknüpft diverse Liebesaffären und Intrigen mit dem Touristengeschäft am Wolfgangsee. Durchaus witzig, wenn auch völlig harmlos. Weder die Dekadenz der Endphase der Habsburger Monarchie noch Hinweise auf die düstere Entwicklung der 30er Jahre finden sich auch nur ansatzweise wieder. Das unterscheidet das „Weiße Rössl“ von etlichen Operetten Léhars und Kálmáns, erklärt aber auch seine Popularität.

So bekannt die Lieder vom schönen Sigismund und vom herzigen Salzkammergut auch sein mögen. Als Bühnenstück ist das „Weiße Rössl“ heute nur noch selten zu sehen. Was soll man auch damit machen? Die Kölner Intendanz vertraut die Produktion genre-erfahrenen Kräften wie der Regisseurin und Oberspielleiterin Eike Ecker und dem Dirigenten Uwe Theimer an, die das Werk als kunterbunte Revue aufmischen, mit schrillen Kostümen (Ulrich Scholz), einer pittoresken Alpenlandschaft im Hintergrund (Darko Petrovic), in die das Orchester integriert ist, und allen Registern klischeehafter Operetten-Unterhaltung. Von überdrehten Slapsticks bis zum niedlichen Kellnerinnen-Ballett, vom verträumten Schneetreiben im Sommer bis zu den messerscharf profilierten Charakteren der Figuren bietet Ecker alles auf, um die Aufführung in Schwung zu halten. Das gelingt ihr auch weitgehend – und zwar ohne jeden Tiefsinn.

Dass man auf die ursprünglichen frechen Texte des „Ur-Rössls“ zurückgreift und die sentimentalisierte Ära Peter Alexanders hinter sich lässt, gehört heute zum Standard. Doch trotz einiger Striche stellen sich angesichts der banalen Handlung einige Längen ein, die selbst ein erfahrener Dirigent wie Uwe Theimer und das recht gute Ensemble nicht immer auffangen können. Dabei bietet Benatzky mit seinem Stilmix aus rührseligem Liebeslied, Jazz-Anleihen und alpiner Folkloristik an sich eine geeignete Basis für einen flotten Abend.

Die Besetzung kann dennoch durchweg überzeugen: mit einer quicklebendigen und resoluten Claudia Rohrbach als Rössl-Wirtin und einem stimmlich anschmiegsamen Martin Koch als Zahlkellner Leopold. Viel Detailarbeit wurde in die Charakterisierung der vielen Figuren investiert, was sich entsprechend auszahlt: nicht nur bei Miljenko Turk als pomadenhaft schönem Sigismund, sondern auch bei Wilhelm Giesecke als derb auftretendem Berliner Fabrikanten und den meisten weiteren Mitstreitern. Statisterie, Chor und Tanzensemble der Kölner Oper geben ihr Bestes.

Insgesamt ein Rundum-sorglos-Paket mit beachtlichem Unterhaltungswert und null Tiefgang.