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Aachen: Gruselig, aber schön: „Der Kleine Werwolf“ im Das Da Theater

Aachen : Gruselig, aber schön: „Der Kleine Werwolf“ im Das Da Theater

Moritz war sich sicher, dass er Blut gesehen hat. Der Sechsjährige verfolgte gebannt das neue Kinderstück des Aachener Das Da Theaters bei der Premiere am Samstag. Tatsächlich wurde sein Namenskollege auf der Bühne — dieser Moritz wird aber nur Motte genannt — von einem Wolf gebissen und verwandelt sich zusehends in einen Werwolf.

„Der kleine Werwolf“ nach dem gleichnamigen Buch von Cornelia Funke in einer Inszenierung von Achim Bieler schafft es auch ohne Theaterblut und haarige Requisiten, die kleinen und großen Zuschauer in der nicht ganz voll besetzten Theaterhalle ein Kopfkino vom Allerfeinsten zu bescheren.

Mit Gesang und Tanz

Für schwache Nerven ist „der kleine Werwolf“ tatsächlich nichts. Motte wird nach einem Kinobesuch mit seiner besten Freundin Lina in der ohnehin gruseligen U-Bahn-Unterführung von einem Wolf gebissen. Das Ergebnis: gelbe Augen, feinster Geruchssinn, verstärkter Haarwuchs. Motte hat zwei Tage — bis zum nächsten Vollmond —, um zu verhindern, dass er dauerhaft zum Werwolf wird. Allerdings nicht allein: Lina steht fest an seiner Seite, und auch ihre Lehrerin hilft ihnen.

Gespielt wird „der kleine Werwolf“ in der Bearbeitung von Erik Schäffler und Uwe Schade nur von drei Schauspielern. Nicht zuletzt wegen der Gesangs- und Tanzeinlagen zu frischen Liedern von Christoph Eisenburger und dem Turnen über die aus Kisten mit Überraschungseffekt bestehende Bühne (Frank Rommerskirchen) eine Marathonleistung, die Mario Thomanek, Michelle Bray und Bernhard Schnepf mit viel Kondition auf die Bühne bringen.

Michelle Bray verkörpert fünf, Bernhard Schnepf sogar sechs Rollen. Der blitzschnelle Kostümwechsel (Kostüme Michaela Gabauer) ist das eine, den beiden bleibt aber kaum Zeit, um sich in die kommende Rolle hineinzuversetzen. Bemerkbar ist es indes nicht. Besonders Schnepf brilliert mit erstaunlicher Wandlungsfähigkeit.

Thomanek ist als Motte permanent auf der Bühne. Am Ende durchgeschwitzt, hat er nicht nur Moritz im Zuschauerraum mit seinem Kampf mit den Vor- und Nachteilen des Wolfsdaseins einen gruselig-schönen Theaternachmittag beschert. „Empfehlenswert“ — das ist die einhellige Meinung des Publikums.

Weitere Vorstellungen am 8., 9., 22. und 23. November sowie am 6., 7., 20. und 21. Dezember. Karten unter Telefon 0241/161688, Di.-Fr. 10-16 Uhr.