1. Kultur

Lissabon: Großer Sprachstilist: Lobo Antunes wird 60

Lissabon : Großer Sprachstilist: Lobo Antunes wird 60

Als Antonio Lobo Antunes 1973 nach 27 Monaten aus dem Krieg in der portugiesischen Kolonie Angola in seine Heimat zurückkehrte, schien er körperlich und psychisch am Ende.

Mit 28 Jahren hatte das Regime den jungen Chirurgen aus reichem Hause zum Dienst als Militärarzt im „Vietnam der Armen” zwangsverpflichtet. Ein Jahr später, am 25. April 1974, erlebte er die unblutige „Nelkenrevolution”, den Sturz der Diktatur von Salazar/Caetano.

Wie bei anderen portugiesischen Autoren bildet dieser geschichtlich starke Hintergrund auch bei Lobo Antunes die Grundlage, gepaart mit einem düsteren Blick auf die Gegenwart.

Der Durchbruch gelang dem Lissabonner Autor, der am 1. September 60 Jahre alt wird, 1979 mit„Os cus de Judas”, was so viel wie „Am Arsch der Welt” bedeutet. 1987 kam das Buch unter dem deutschen Titel „Der Judaskuß” heraus.

Für die junge Generation wurde es als Abrechnung mit dem alten Regime zum Kultroman. Auch für „Das Handbuch der Inquisitoren” wählte Lobo Antunes als Rahmen die Diktatur.

Für viele ist Lobo Antunes einer der größten Sprachstilisten unserer Zeit.