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Aachen: Grenzlandtheater trotzt dem Landes-Kahlschlag

Aachen : Grenzlandtheater trotzt dem Landes-Kahlschlag

Der Intendant kocht - vor Wut. Manfred Langner, ein Mann, den so leicht nichts aus der Ruhe bringen kann, ist nicht mehr wieder zu erkennen.

„Da platzt mir die Hutschnur, das ist eine Unverschämtheit”, schimpft er vor der versammelten Presse.

Die rot-grüne Landesregierung ist es, die den Chef des Aachener Grenzlandtheaters in Rage gebracht hat. Um glatte 51.000 Euro hat Düsseldorf mal eben den Jahreszuschuss von 340.000 Euro gekürzt.

Und das Theater selbst hat es nur zufällig erfahren. „Kein Mensch hat es für nötig gehalten, mit uns zu reden. Hier wird an ein kerngesundes Theater die Axt angelegt.”

Am Freitag war Spielplan-Vorstellung für die Saison 2004/2005, eigentlich immer ein mit Spannung erwarteter Feiertag für die kleine Bühne. Doch diesmal lag ein dunkler Schatten über dem Ereignis.

Für Geschäftsführer Franz Hermanns und Manfred Langner geht es allmählich ans Eingemachte - und das, obwohl das Grenzlandtheater zu den finanziell gesündesten öffentlichen Bühnen der gesamten Bundesrepublik gehört.

Die eigenen Einnahmen decken mit etwas mehr als einer Million Euro jährlich 54,3 Prozent der Gesamtausgaben.

Und während in Nordrhein-Westfalen im Schnitt sonst jede einzelne Theaterkarte mit satten 102,64 Euro bezuschusst werden muss, sind es beim Grenzlandtheater gerade mal 10,34 Euro. Die Auslastung liegt bei 98,6 Prozent.

Kein Wunder, dass der Intendant aus der Haut fährt, nachdem das Land NRW den seit 1994 nicht mehr erhöhten Zuschuss für diese Landesbühne um 15 Prozent gekürzt hat.

Wenigstens beim Träger, dem Kreis Aachen, findet Langner, wie er sagt, „große Unterstützung”, für die er sehr dankbar ist.

„NRW schiebt der Ruhrtriennale 15 Millionen zu, die bei den Theatern gestrichen werden”, bringt er die Kritik auf den Punkt. Sollten nächstes Jahr wie angedroht weitere 20 Prozent an Kürzungen folgen, „können wir nur noch Ein-Mann-Stücke spielen”.

Doch Langner ist kampfbereit: „Ich lasse es nicht zu, dass dieses Theater durch den Federstrich einer Kulturbürokratie zerstört wird.”

Und so legt er trotz eiserner Einsparungen im Ausstattungsetat einen stattlichen Spielplan für die kommende Saison vor, auf den sich das Publikum freuen kann: wieder einmal eine sehr gesunde Mischung aus Klassik und Moderne, leichter Unterhaltung und Theater mit Tiefgang. Allerdings musste aus Kostengründen ein großes Schauspiel durch ein kleines ersetzt werden.

Anita Kupsch kommt

Eröffnet wird die Spielzeit am 22. August mit der französischen Erfolgskomödie „Männer und andere Irrtümer” von Michéle Bernier und Marie Pascale Osterrieth, die Langner bereits im letzten Jahr in Berlin als deutsche Erstaufführung inszeniert hat.

Ein prominenter Gast wird die Rolle der Be-trogenen spielen, die noch einmal im Rückblick alle Höhen und Tiefen ihrer Ehe durchlebt: die waschechte Berlinerin Anita Kupsch - die „Kleine mit der Riesenklappe”, wie Kritiker sie genannt haben.

Es folgen der unsterbliche Klassiker „Der zerbrochene Krug” von Kleist und der amerikanische Sensationserfolg „Freunde zum Essen”, für den Donald Margulies den Pulitzer-Preis bekam, ein weises Stück über Liebe und Freundschaft zweier Paare im mittleren Alter.

Für die Zeit um Silvester ist die musikalische Produktion „Am offenen Herzen” von Franz Wittenbrink vorgesehen, eine heiter-böse Betrachtung über die Notaufnahmestation eines Krankenhauses.

Mit „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran”, soeben als Filmversion im Kino angelaufen mit Omar Sharif, gelangt wieder ein Stück des führenden französischen Autors Eric-Emmanuel Schmitt auf die Bühne.

Die Geschichte um die Freundschaft zweier in Alter und Herkunft völlig verschiedener Menschen inszeniert Ende Januar 2005 Schmitts deutscher Übersetzer Paul Bäcker. Für die Rolle des „Ibrahim” ist Karl Walter Sprungala im Gespräch.

Bei dem Krimi „Acht Frauen” von Robert Thomas” spielt die Musik wieder auf, ehe Zuckmayers „Hauptmann von Köpenick” - gespielt von Ernst Wilhelm Lenik - Bürokratie und Obrigkeit mit ihren eigenen Mitteln schlägt.

Die pointenreiche Komödie „Ein Mann an der Angel” von Sam Bobrick beschließt die Saison im Juni 2005. Langner wäre nicht Langner, wenn er Düsseldorf nicht mit einem „Jetzt erst recht” die Stirn bieten würde: Zusätzlich zu den acht Stücken will er speziell für Jugendliche im Alter von zwölf und 18 Jahren außerhalb des Abos eine eigene Produktion herausbringen, die nachmittags aufgeführt werden soll. Das Stück wird noch ausgewählt.