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Aachen: Grenzlandtheater: Neues Abo, neue Stücke

Aachen : Grenzlandtheater: Neues Abo, neue Stücke

Braucht der erfolgsverwöhnte Intendant des Aachener Grenzlandtheaters wirklich diese Extra-Portion Glück? Jedenfalls schnappt sich Uwe Brandt einen Mann im Schornsteinfeger-Kostüm, der in der Elisengalerie Geld sammelt, um ihn mit aufs Pressefoto zu bitten.

„Glück braucht man immer!“, sagt der 48-Jährige, reibt am Goldknopf des schwarzen Mannes und lässt einen Euro springen. Tatsächlich hat der Bühnen-Chef im vergangenen Jahr vielleicht mehr Pech gehabt als gewohnt. Obwohl etwas weniger Zuschauer kamen, will er aber auch in seiner sechsten Saison „nicht nur leichte Kost bieten“.

Zahlen: Eine weitere Bestleistung kann der kaufmännische Geschäftsführer Hermann Fuchs diesmal nicht vermelden: Im Vergleich zum Rekordjahr 2011 haben 2013 rund 2500 Zuschauer weniger die Vorstellungen im Aachener 218-Plätze-Haus und auf den Abstechern in der Region besucht — es waren genau 91.607 Zuschauer, davon 7546 im Jugendtheater Greta. Die Auslastung in der Elisengalerie sank leicht auf 96,3 Prozent. Dennoch sind die Zahlen wieder hervorragend: Bei einem Gesamtetat von 2,46 Millionen Euro (und Zuschüssen von 922.000 Euro) hat das Theater 62,2 Prozent der Kosten selbst eingespielt. Damit betrage der Zuschuss pro Besucher 11,14 Euro. Bundesweit liege dieser Wert im Schnitt rund 100 Euro höher, betont Fuchs.

Das kleine Zuschauerminus habe ihn schon ein bisschen nervös gemacht, gibt Brandt zu. „Aber wir haben 2013 auch mehr gewagt“ — etwa mit Neil LaButes drastischem Geschwisterdrama „Tief in einem dunklen Wald“ und dem sehr speziellen Märchen-Musical „Into the Woods“. Dieses habe zudem mehrere krankheitsbedingte Vorstellungsausfälle verkraften müssen. Pech eben. Nach einer „offenen Diskussion“ mit dem Theater-Beirat möchte Brandt nun mit Rückenwind an seiner Strategie festhalten: „Wir wollen dem Publikum gefallen, aber weiterhin etwas wagen.“

Start: Weniger gewagt geht es allerdings los mit „Arsen und Spitzenhäubchen“. Den Evergreen des schwarzen Humors inszeniert der bewährte Ulrich Wiggers — laut Brandt aber „frisch und verrückt“. Anders als im bekannten Hollywood-Film von 1941 sollen die mörderischen Witwen zum Beispiel deutlich jünger besetzt sein.

Musical: Auch die große Musikproduktion gehört in die Kategorie „Knaller“. „Cabaret“! „Schon wieder?“, mag man da fragen. Denn mit der weltberühmten Melange aus unverwüstlichen Melodien, herzzerreißenden Liebesgeschichten und tödlichen Bedrohungen durch den Nationalsozialismus im Berlin Anfang der 30er Jahre wurde das Haus in der Elisengalerie eröffnet. Aber das ist immerhin schon fast 17 Jahre her — und die letzte Produktion am Theater Aachen fast zehn Jahre. Zudem erkennt Brandt die Aktualität des Stücks: „Die braunen Säcke kommen wieder um die Ecke. Schon wieder!“ Es inszeniert erneut Wiggers. Publikumsliebling Samuel Schürmann wird diesmal nicht mitspielen.

Klassiker: Die ausgewogene Genre-Mischung enthält mit Sartres Schulstoff „Geschlossene Gesellschaft“ und Dürrenmatts Krimikomödie „Abendstunde im Spätherbst“ weitere betagte Bekannte. Und John von Düffel greift für sein Liebesdrama „Sieben Sonette“ auf den alten Shakespeare zurück.

Neuere Stücke: Ganz frisch ist die Komödie „Die Wunderübung“ des Wiener Bestsellerautors Daniel Glattauer, der bereits mit der E-Mail-Romanze „Gut gegen Nordwind“ und der Fortsetzung „Alle sieben Wellen“ das Grenzlandtheater-Publikum amüsiert hat. Erst 2011 uraufgeführt wurde die Farce „Bürgerwehr“ des englischen Erfolgsdramatikers Alan Ayckbourn: ein „witziges Porträt einer paranoid gewordenen Mittelschicht“, mit dem man einigen Spießbürgern auf die Füße treten könne, meint Brandt. Seit gerade mal anderthalb Jahren feuert „The Kings‘s Speech“ auf deutschen Bühnen Pointen ab. Das Stück wurde durch die oscarprämierte Verfilmung mit Colin Firth als stotterndem König George VI. weltbekannt. Uwe Brandt will es in Szene setzen.

Junges Theater Greta: Auch für den Nachwuchs führt der Intendant Regie — beim Halbstarken-Stück „Stones“ (ab 14 Jahre, Premiere: 11. November). Die Krimi-Parodie „Meisterdetektive“ (Premiere: 24. Februar) soll Zuschauer ab 10 ansprechen.

Karten: Rund 6500 Abonnenten zählt das Theater — bald kommen ein paar neue hinzu. Denn es wird ein weiteres Mittwochs-Abo geben. Zuerst am Zuge sind die rund 500 Interessenten auf der Warteliste, aber ab Samstag, 10. Mai, 10 Uhr, kann jeder an der Theaterkasse sein Glück versuchen.