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Frankfurt a.M: Grausame Komik: Vor 100 Jahren starb Wilhelm Busch

Frankfurt a.M : Grausame Komik: Vor 100 Jahren starb Wilhelm Busch

Seine Bildergeschichten strotzen nur so von Schadenfreude, sein Humor ist schwarz wie die Nacht. Grausam lässt Wilhelm Busch seine Helden leiden, erbärmlich krepieren. Und mitleidlos kommentiert er: „Hier sieht man ihre Trümmer rauchen/Der Rest ist nicht mehr zu gebrauchen.” Doch das hat seine Leser nie gestört. Der bis heute erfolgreiche Satiriker starb vor 100 Jahren am 9. Januar 1908 in Mechtshausen nahe dem Harz an Herzversagen.

Der malende Dichter, der am 15. April 1832 in Wiedensahl bei Hannover geboren wurde, konnte sich auch noch im 20. Jahrhundert behaupten: als künstlerischer Vorläufer der Comiczeichner, als bürgerlicher Satiriker mit einem Hang zur Idylle, deren trügerische Fassade er zugleich durchschaute, als philosophischer Pessimist, der neben Schopenhauer auch seinen Darwin gelesen hatte und den Kampf ums bürgerliche Dasein in die gute Stube seiner frustrierten Leser verlegte.

Die gescheiterte Revolution von 1848 frisst in den Werken Buschs ihre Kinder wie die Mühle Max und Moritz. Die Mühle steht noch heute: in Ebergötzen bei Göttingen. Dort wurde der neunjährige Wilhelm, ältestes von sieben Geschwistern, seinem Onkel Georg Kleine übergeben, weil es daheim in Wiedensahl bei Hannover zu eng geworden war. Dem Pastor verdankte er seine vorzügliche Ausbildung, aber als er nach drei Jahren zum ersten Mal die Eltern besuchte, erkannte ihn seine Mutter nicht wieder.

Der frühe Verlust der Mutterbindung prägte ihn fürs Leben. Busch wurde zum Sonderling: ungesellig und glücklos in seiner Sehnsucht nach unerreichbaren Frauen und Mutterfiguren, ruhelos seinen Wohnsitz wechselnd. Sein Maschinenbau-Studium, das der Vater ihm aufgedrängt hatte, brach er ab, um Maler zu werden. Aber die Begegnung mit bedeutenden Kunstwerken alter Meister in Antwerpen entmutigte ihn so sehr, dass er als Bienenzüchter nach Brasilien auswandern wollte. Immerhin hatte er genug an den Kunstakademien von Düsseldorf, Antwerpen und München gelernt, um die Aufmerksamkeit eines Verlegers zu erregen. Kaspar Braun gewann den Karikaturisten für die Mitarbeit an seinen „Fliegenden Blättern” und am „Münchner Bilderbogen”.

Ihm verkaufte Busch 1865 die Rechte für die Geschichte von „Max und Moritz”, die den Verfasser weltberühmt und den Verleger zum reichen Mann machten. Aber auch Busch litt dank weiterer Bildergeschichten nicht länger Not. Zwei Jahre nach den Streichen der bösen Buben veröffentlichte er die Geschichte von dem Unglücksraben Hans Huckebein. Seine Kleriker-Satire „Der heilige Antonius” durfte allerdings erst 1871 erscheinen. Überhaupt entstanden in den 70er Jahren seine beliebtesten Werke: „Die fromme Helene”, „Pater Filuzius”, die Knopp-Trilogie und „Fipps der Affe”. Nachdem der Autor zwei Mal eine Nikotinvergiftung überstanden hatte, erschienen im nächsten Jahrzehnt „Plisch und Plum”, „Balduin Bählamm” und „Maler Klecksel”.

All diese gezeichneten und bissig kommentierten Geschichten vom kleinen Mann und der frömmelnden Frau, vom verhinderten Dichter und scheiternden Maler, von der alltäglichen Gier und dem Willen zur Macht, von der ehelichen Pflicht und der beruflichen Plage - sie sind grundiert von grausamer Komik. Immer wieder zwirbelt der Künstler die Gliedmaßen seiner Figuren lustvoll-sadistisch auf. Wen er nicht vernichten kann, den präsentiert er von hinten. Busch kennt keine Gnade für seine Philister, nur Hinrichtung oder Pranger.

Neben seinen karikierenden Bildgeschichten und seinen Gedichten, die 1909 posthum unter dem Titel „Schein und Sein” erschienen, hinterließ er mehr als tausend Ölbilder: Genremalerei von Landschaft und Tieren, Schmerzenskinder, die der verhinderte Maler zeitlebens unter Verschluss gehalten hatte. Die Stadt Hannover hütet sie heute in ihrem Wilhelm-Busch-Museum.