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Düsseldorf: Grandioses Gewusel: Arcade Fire in Düsseldorf

Düsseldorf : Grandioses Gewusel: Arcade Fire in Düsseldorf

Stars von Bowie bis Bono haben sich mit Lobeshymnen auf Arcade Fire hervorgetan. Chris Martin von Coldplay soll das Musikerkollektiv aus dem kanadischen Montréal gar als beste Band aller Zeiten bezeichnet haben.

Bei aller Skepsis gegenüber Rankings in Geschmacksfragen: Die Gruppe rund um Sänger Win Butler und seine Ehefrau Rgine Chassagne präsentierte in der Düsseldorfer Philipshalle jetzt doch ein Konzert, das die rund 7000 Fans spüren ließ, ein Musikereignis der besonderen Art erlebt zu haben.

Mit „Ready To Start” werfen Arcade Fire gleich zu Beginn ihr beeindruckendes Arsenal an Instrumenten ins Rennen; zwei Schlagzeuge, zwei Violinen, zwei Gitarren, Bass und Piano verdichten sich zu einer hochkomprimierten Klangwoge, die die Fans über 90 Minuten mitreißt.

Allerdings walzt dieser Sound nicht alles nieder, sondern lässt stets Lücken auch für filigrane musikalische Akzente. Nach jedem Song wird kurz das Bühnenlicht gedimmt, es setzt wildes Gewusel ein, und wenn das Licht wieder hell ist, sind viele Musiker auf neuen Positionen auszumachen.

Diese Rotationen dürften Beleg dafür sein, dass in dieser Gruppe zwischenmenschlich wirklich alles stimmt - wie auch die Tatsache, dass selbst zwei Schlagzeuge nicht als rhythmische Totschläger fungieren, zwei Geigen nicht Seichtigkeitkeiten absondern, sondern Klangspektrum und rhythmische Struktur gleichermaßen unterstreichen, und letztlich auch Klavier und Akkordeon sich harmonisch ergänzen.

Auf jeden Fall aber liegt in der Rotation das Geheimnis für die atemberaubende Vitalität, die Arcade Fire entfachen. Die vitale, aus der Folkmusik übernommene Spielfreude ist zwar dominierend, doch bleibt immer auch noch reichlich Raum für den Ausdruck tiefe Gefühle.

Das Repertoire berücksichtigt Songs von „Funeral”, „Neon Bible” sowie dem im Sommer veröffentlichten Album „The Suburbs”. Hier thematisiert Butler die eintönige Langeweile amerikanischer Vorstädte. Ansonsten hatte Langeweile in dem Konzert nicht für einen Augenblick Platz.

Frenetischer Applaus für eine Band, die vielleicht nicht die beste aller Zeiten ist, jedoch - wenn man so will - auf der aktuellen Bestenliste sicherlich ganz vorne rangieren dürfte.