Aachen: Grandios: Elias Quartett im Accordate-Konzert

Aachen: Grandios: Elias Quartett im Accordate-Konzert

Es ist schon erstaunlich und bewundernswert, wie es der künstlerischen Leitung der Aachener Kammermusikreihe Accordate immer wieder gelingt, das Publikum mit jungen, exzellenten Kammermusikformationen bekanntzumachen.

Andererseits sagt das auch etwas aus über die Leistungsdichte, die heutzutage auf diesem Sektor herrscht.

Nun war das Elias Quartett aus Großbritannien zu Gast, das im Krönungssaal des Rathauses mit einem hochambitionierten Programm aufwartete. Mit Ludwig van Beethovens Quartett f-Moll op. 95 und Benjamin Brittens 3. Quartett, das unmittelbar vor dem Tod des Komponisten entstand, enthielt es zwei Werke, in die vieles der seelischen Befindlichkeiten der beiden Komponisten zum Zeitpunkt ihrer Entstehung geflossen ist.

Bis in feinste Nuancen

Davon konnte bei Joseph Haydns C-Dur-Quartett op. 33/3 keine Rede sein. Dennoch war auch an der Interpretation dieses in seiner Struktur klassisch-ausgewogenen Werkes bereits erkennbar, dass es den vier jungen Musikern Sara Bitlloch und Donald Grant, Violine, Martin Saving, Viola, und Marie Bitlloch, Violoncello, ein Anliegen ist, klangliche Möglichkeiten bis in feinste Nuancen auszuloten. Das mochte angesichts der Klassizität des Stückes manchmal sogar zu viel des Guten sein. Andererseits rückte es die Schönheiten mancher berückender harmonischer Wendungen ins rechte Licht. Die Spontaneität und Spielfreude, mit der die vier das Stück angingen, führten die Einschätzung vom gemütlichen „Papa Haydn“ geradezu ad absurdum.

Unglückliche Liebe

Geradezu rabiat ging das Quartett Beethovens wohl aus einer unglücklichen Liebe entstandenes op. 95 an. Da wurde mit ungeheurer Intensität und letztem Einsatz musiziert, klangliche Härten wurden bewusst in Kauf genommen, die schroffen Kontraste dieser Bekenntnismusik geradezu modellhaft herausgemeißelt. Spannender kann man dieses Stück schlechterdings nicht spielen.

Und zum Schluss Brittens Abgesang an das Leben, eine schwer zugängliche, mit vielen Eigenzitaten arbeitende Komposition. Auch hier schroffe Gegensätze zwischen den kurzen Scherzi, und dem wie eine Botschaft aus dem Jenseits klingenden langsamen Satz, dessen großbogige Geigenmelodie Sara Bitlloch bewegend schön spielte. Nach der Passacaglia am Schluss herrschte lange ergriffene Stille, ehe ein Sturm der Begeisterung losbrach.

Zwei schottische Weisen waren die anrührende Zugabe.

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