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Hamburg: Götz Alsmann lüftet sein „Geheimnis” um den „Jazz-Schlager”

Hamburg : Götz Alsmann lüftet sein „Geheimnis” um den „Jazz-Schlager”

Götz Alsmann gönnt sich keine Pausen. Er moderiert Radio-Shows im WDR-Hörfunk, seinem Heimatsender, und hat in der Fernseh-Wohngemeinschaft „Zimmer frei” seit 1996 an die 450 prominente Gäste empfangen. Zur fünften Ausgabe der ZDF-Klassik-Serie „Eine große Nachtmusik” lädt er am Freitag, 25. Mai, ein, und an 120 Tagen im Jahr tourt er mit seiner Band durchs Land.

Als wäre das alles noch nicht genug, veröffentlicht der Gute-Laune-Mann regelmäßig CDs. Soeben ist sein neuestes Werk erschienen, und darauf gibt er sich ungewöhnlich offen. „Mein Geheimnis” nennt er sowohl das Album als auch das aktuelle Live-Programm.

Einen Schlüssel zum Geheimnis des Allround-Entertainers präsentiert er in seiner Eigenkomposition „Indiskret”. Darin gibt der Autor unumwunden zu, dass er sich keineswegs aufs Schweigen versteht. „Mir sollte man besser nichts erzählen. Ich bin ein echtes Waschweib. Meinen Mund kann ich nur halten, wenn es um wirklich was geht. Aber wann geht es schon wirklich um was?”, bekennt der Musiker im Plauderton. Doch im Grunde geht es ihm in den 17 Songs der neuen Platte gar nicht um seine „wohl größte Charakterschwäche”, sondern vielmehr darum, eine musikalische Tradition zu verteidigen, die vor ihm in Vergessenheit geraten war: den deutschen „Jazz-Schlager”.

Diese Art Lieder ist längst im gleichen Maße zu seinem akustischen Markenzeichen geworden wie Anzug, Krawatte, Brille und Tolle zu seinen optischen. Auch wenn seinem Publikum die Genrebezeichnung „Jazz-Schlager” wie selbstverständlich von den Lippen geht, ist sie tatsächlich eine Alsmann´sche Wortschöpfung und gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen. Eigentlich dürfte es dieses Etikett gar nicht geben, denn Jazz ist viel zu ernst und elitär, wie viele meinen, um mit dem gemeinen Schlager eine Symbiose eingehen zu können. „Doch das ist ein Irrtum”, hält der promovierte Musikwissenschaftler dagegen.

„Schlager ist erst seit der zweiten Hälfte der 60er Jahre zu einem „Bäh-Wort” geworden. Was sich plötzlich auszuschließen schien, lateinamerikanische Rhythmen, Jazz und deutsche Texte, bringe ich wieder zusammen - damit die Agonie ein Ende hat”, erklärt der 49-Jährige ganz unakademisch und verweist auf die ersten „Hot-Sänger”, die schon Ende der 20er Jahre deutsch sangen. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten unter anderem Bully Buhlan und Evelyn Künneke diese Kunstform fort.

Dabei ist das „Liederbuch der jazz-inspirierten deutschen Unterhaltungsmusik”, wie Alsmann den Fundus nennt, aus dem er schöpft, an Qualität und Umfang in weiten Teilen durchaus mit dem „American Songbook” zu vergleichen.

Film- und Schlagerautoren wie Michael Jary, aber auch Franz Grothe, Theo Mackeben oder Friedrich Meyer, Heino Gaze oder Heinz Gietz gehören zu seinen erklärten Lieblingskomponisten. Aber auch der jetzt von Alsmann als Textdichter wiederentdeckte Joachim „Blacky” Fuchsberger (80) lässt den Westfalen ins Schwärmen geraten.

Alsmanns Begeisterung für die „gestandenen Großmeister ihres Fachs” ist im Übrigen durchaus ansteckend. Zumindest soll die junge Pop-Chanteuse Annett Louisan (28, „Das Spiel”) sofort zugesagt haben, mit ihm die Erwin-Halletz-Nummer „Kokettier´ nicht mit mir” zu interpretieren. „Ich habe das Lied ausgesucht, ihr geschickt, sie war angetan, und wir konnten schließlich das Eisen schmieden, als es noch glühend rot war”, sagt Alsmann.

Ob das Duett mit Louisan oder die 16 anderen „heimlichen Hits” eher dem Schlager oder dem Jazz zuzurechnen sind, bleibt letztlich einerlei. Tatsache ist, dass sie auf dem renommierten Jazz-Label Blue Note erscheinen, was einem Ritterschlag gleichkommt. „Mögen die Jazz-Puristen doch weiterhin behaupten, ich würde keinen Jazz spielen und die eingefleischten Schlager-Fans überzeugt sein, ich würde keinen Schlager machen”, sagt der Multi-Instrumentalist und Sänger. Es sei ohnehin niemals sein Anliegen gewesen, „die Jazz-Polizei zu überzeugen”, versichert er.