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Aachen: GMD-Nachfolge: Arad kann als Konzertdirigent überzeugen

Aachen : GMD-Nachfolge: Arad kann als Konzertdirigent überzeugen

80 Dirigenten haben sich um die Nachfolge von Kazem Abdullah auf den Posten des Aachener Generalmusikdirektors (GMD) beworben. Am Wochenende nun hat Ido Arad das Schaulaufen der verbliebenen drei Kandidaten eröffnet, die sich bis zum Jahreswechsel mit jeweils zwei Dirigaten dem Aachener Publikum vorstellen.

Ido Arad konnte mit seinem Konzertauftritt die Zuschauer im gut besuchten Eurogress in vollem Maß überzeugen und in der Tat hinterließ er eine vielversprechende Visitenkarte. Allerdings ist das Konzert nur als ein, wenn auch wichtiges Steinchen unter vielen zu verstehen, die die endgültige Wahl bestimmen. Wichtige Entscheidungshilfen spielen sich hinter den Kulissen ab, bei der Probenarbeit, im Umgang mit dem Orchester und mit der Entwicklung künstlerischer Perspektiven für das städtische Kulturleben.

Feinfühlige Beethoven-Darstellung

Der konzertante Einstand gelang Arad auf ganzer Linie. Was die Persönlichkeit des gebürtigen Amerikaners betrifft, fällt positiv ins Gewicht, dass er nicht den geringsten Hang zu eitler Selbstdarstellung und künstlerischer Effekthascherei erkennen lässt. Er dirigiert mit klaren, unprätentiösen Gesten ohne Show-Allüren, und selbst beim Schlussbeifall setzt er lieber das Orchester in Szene als sich selbst.

Musikalisch besticht der als Kapellmeister an der Deutschen Oper Berlin tätige Dirigent durch eine ausgeprägte klangliche Sensibilität, die Beethovens filigraner „Pastorale“, der Nagelprobe des Programms, ideal entgegenkommt. Trotz der recht großen Orchesterbesetzung animierte Arad die Musiker zu einem geradezu kammermusikalisch intimen Spiel, das von delikaten Bläser-Soli, nicht nur im Finalsatz seidenweichen Streicherklängen, fein ausgearbeiteten Mittelstimmen und einem ausgewogenen Gesamtklang bestimmt wird. Ohne Hang zu extravaganten Tempi, dafür mit einer geradezu entspannten und natürlich wirkenden Phrasierung ließ er die Längen der mit vielen Wiederholungen gespickten „Szene am Bach“ vergessen.

Großen Wert legte Arad auf eine vorbildliche Piano-Kultur, so dass er den Lautstärkeregler bei den Höhepunkten angesichts der problematischen Akustik des Eurogress ruhig eine Stufe herunterdrehen könnte. Doch auch so hielt er den Klang unter Kontrolle und vermied selbst bei den schroff instrumentierten Exzessen in Hector Berlioze_SSRq Szenen aus „Romeo et Juliette“ lärmende Kraftorgien.

Der, soweit überhaupt möglich, perfekte Umgang mit der Akustik des Eurogress erfordert viel Erfahrung und Spielpraxis in dem Saal, wovon die verflossenen Generalmusikdirektoren allesamt ein Lied singen können. Es ist nicht übertrieben, Ido Arads Interpretation der „Pastorale“ als eine der sensibelsten und feinfühligsten Beethoven-Darstellungen der letzten Jahre zu bezeichnen.

Attribute, die bereits beim Auftakt des Abends in den zarteren Passagen von Berlioze_SSRq „Romeo-et-Juliette“-Musik erkennbar wurden, allerdings durch die gröberen Klänge der Ball- und Festmusiken verdrängt wurden. Insofern sagt dieser Beitrag erheblich weniger über die elementaren Fähigkeiten eines Dirigenten aus als eine rundum gelungene Beethoven-Sinfonie.

Das Posaunenkonzert des spätromantisch angehauchten Dänen Launy Grøndahl bietet vor allem eine ideale Spielwiese für den Aachener Solo-Posaunisten Guy Hanssen, der seinen dankbaren Part mit weit geschwungenen Kantilenen und einer Prise Virtuosität im Schlusssatz tonschön und spieltechnisch versiert zum Hören brachte. Der etwas dickflüssige Orchesterpart gibt dem Dirigenten dagegen nur wenig Gelegenheit, seine Qualitäten zu präsentieren.

Man darf gespannt sein, wie sich Ido Arad am 14. Dezember auf dem dramatisch zugespitzten Terrain von Leoš Janáeks Oper „Katja Kabanowa“ behaupten wird. Als Konzertdirigent konnte er überzeugen. Das quittierte ihm das Publikum mit lang anhaltendem Beifall.