Aachen: GMD-Kandidaten Per-Otto Johansson dirigiert Sinfoniekonzert

Aachen: GMD-Kandidaten Per-Otto Johansson dirigiert Sinfoniekonzert

Mit dem Schweden Per-Otto Johansson hat nun auch der dritte in die engere Wahl genommene Bewerber für die Position des Aachener Generalmusikdirektors seine Visitenkarte abgegeben. Auch wenn der Dirigent in Deutschland bisher kaum in Erscheinung getreten ist, so hat er doch in Schweden und Dänemark mit führenden Orchestern große Erfahrungen sammeln können.

Auch in seinem Aachener Konzert im gut besuchten Eurogress empfahl er sich als eine Persönlichkeit, die als Orchesterleiter Kompetenz ausstrahlt.

Maurice Ravels klanglich raffinierte Märchen-Suite „Ma mère l’oye“ gestaltete Johansson mit souveräner Ruhe und delikater Piano-Kultur, wobei er vor allem die kammermusikalischen Feinheiten der Partitur klangschön zum Tönen brachte. Johansson empfiehlt sich damit als Feinschmecker, der grobe Töne verpönt.

Die filigranen Arabesken in den zahlreichen Holzbläsersoli kamen ebenso zu ihrem Recht wie seidenweiche Klangteppiche im Gesamtaufriss. Glasperlenartige Effekte in der „Kaiserin der Pagoden“, der elegische Walzer und die tiefschwarzen Kontrafagott-Klagen in „Die Schöne und das Biest“: Ravels Vorlagen für einen mikroskopisch fein ausgeleuchteten Klang nutzte Johansson effektiv.

Beifall für den Solisten Choi

Auch in den massiver orchestrierten „Sinfonischen Tänzen“ von Sergej Rachmaninow blieb er seiner Ästhetik treu. In den Soli motivierte er die Musiker zu Höchstleistungen, und im Tutti blieb der Gesamtklang selbst in höheren dynamischen Regionen kontrolliert. Das betrifft sogar die wenigen Blech-Eruptionen im Finalsatz.

Schmankerl wie ein ausgedehntes elegisches Saxophon-Solo im Kopfsatz gerieten zu Höhepunkten der Interpretation. Die bekannten, im Eurogress gefürchteten Balanceprobleme zwischen Streichern und Bläsern hielten sich in Grenzen, auch wenn berücksichtigt werden muss, dass Rachmaninow das Blech in diesem Werk ungewöhnlich zurückhaltend einsetzt. Von Ravels Preziosen ganz zu schweigen.

Beide Interpretationen überzeugten durch klangliche Transparenz, eine sorgfältig artikulierte Tonbildung und eine unprätentiöse, aber sinnvolle Phrasierung. Mehr kann man von einem Probedirigat kaum erwarten.

Weniger aussagekräftig fiel das Konzert für Kontrabass in fis-Moll von Serge Koussevitzky ins Gewicht, bei dem das Orchester eher die Rolle eines Stichwortgebers einnimmt. Immerhin hielt Johansson den Apparat soweit zurück, dass sich der Aachener Solo-Kontrabassist Chihoon Choi mühelos und wirkungsvoll durchsetzen, dem Instrument ausdrucksvolle Gesänge entlocken und die hochvirtuosen Drahtseilakte spieltechnisch sauber bewältigen konnte.

Eine schöne Herausforderung für den Musiker, die das Publikum mit herzlichem Beifall und seine Kollegen mit einer überdimensionalen Printe in Form eines Kontrabasses belohnten.

Für Johansson steht noch das Opern-Dirigat von Janáeks „Katja Kabanowa“ am 29. Dezember aus, bevor im Januar die endgültige Entscheidung über die Besetzung der begehrten Position fallen wird. Auf dem Konzertpodium haben alle drei Kandidaten bewiesen, dass sie mit einem Orchester umgehen und ihre Vorstellungen sicher realisieren können. Wobei die unterschiedlich gestrickten Programme der drei Konzerte den Vergleich nicht erleichtern.

Die Kommunikationsfähigkeit der Kandidaten mit dem Publikum, dem Orchester, der Theaterintendanz und den städtischen Behörden lässt sich natürlich nur begrenzt feststellen. Da dürfte die Findungskommission, die auch die Probenarbeit beobachten konnte, tiefere Einblicke gewonnen haben. Hoffentlich.