Aachen: GMD-Kandidat Ido Arad: Unglückliche Katia pannenfrei in die Wolga begleitet

Aachen: GMD-Kandidat Ido Arad: Unglückliche Katia pannenfrei in die Wolga begleitet

Mit Ido Arad stellte sich nach Christopher Ward der zweite Bewerber für die begehrte Position des Generalmusikdirektors im Orchestergraben des Aachener Theaters vor, um seine Version von Leoš Janáeks Oper „Katia Kabanova“ zu präsentieren. Arad gefiel im Sinfoniekonzert durch eine außergewöhnlich sensible Interpretation der „Pastorale“ von Beethoven.

Janáeks Oper ist aus anderem Holz geschnitzt, und Arads Dirigat fiel durch extrem scharf profilierte Kontraste auf. Die kammermusikalisch intimeren Teile klangen ausgesprochen feinfühlig, die dramatischen Akzente sehr schroff. Das führte bisweilen zu dynamischen Verwerfungen, die manchen Stimmungswechsel überrollten, so dass dramatisch aufgeheizte Passagen unter dynamischen Dauerdruck gesetzt wurden. Da ging manche Feinheit verloren, was sich natürlich auch auf die Sänger auswirkte, die mit Irina Popova an der Spitze nach wie vor für ein hohes Niveau der sehens- und hörenswerten Produktion sorgen.

Überbewertet werden dürfen solche Einwände nicht. Ähnliche Probleme waren auch den Auftritten von Christopher Ward und selbst des kommissarischen Generalmusikdirektors Justus Thorau nicht fremd, der sich am intensivsten mit dem Stück beschäftigen konnte. Was die Eindrücke isolierter Probedirigate am Beispiel einer einzigen Aufführung angeht, sind die Unterschiede zwischen Ward und Arad marginal. Beide verstehen es, auch eine schwierige Oper unter knappen Probenbedingungen pannenfrei und auf gutem Niveau zu leiten. Und Ido Arad wird im März von der Dresdner Semper-Oper immerhin mit einer Aufführungsserie von Mozarts „Figaro“ betraut.

Einblicke in die Probenarbeit

Aussagekräftiger wären Einblicke in die Probenarbeit, die die Findungskommission allerdings ohne Anwesenheit der Presse beobachten will. Schade: Somit muss man der Kompetenz des Gremiums vertrauen, wenn es im Januar zur endgültigen Abstimmung kommen wird. Zuvor wird allerdings noch am 29. Dezember der dritte Kandidat, der Schwede Per-Otto Johansson, die unglückliche Katia auf dem finalen Weg in die Wolga begleiten dürfen.

Große Überraschungen sind dabei wohl nicht zu erwarten. Das heißt aber auch, dass es sich auf jeden Fall lohnt, eine Aufführung der exzellenten Produktion dieses eindrucksvollen Stücks zu besuchen. Dass sich der Andrang bisher in Grenzen hält, haben weder das Stück noch das Aachener Theater verdient.

Am morgigen Sonntag um 18 Uhr wird sich übrigens Arads Konkurrent Christopher Ward im Rahmen des diesjährigen Weihnachtskonzerts auf dem Konzertpodium des Aachener Eurogress bewähren dürfen.