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Köln: Glanzvolles Gastspiel in Kölner Philharmonie

Köln : Glanzvolles Gastspiel in Kölner Philharmonie

Zum ersten Male gastierte das Sinfonieorchester Aachen unter seinem Chef Marcus R. Bosch in der Kölner Philharmonie.

Die Einladung zur Eröffnung der Sonntagskonzerte dürfte nicht von ungefähr gekommen sein: Offenbar blieb den Kölner Veranstaltern nicht verborgen, was sich unter dem neuen Generalmusikdirektor in Aachen getan hat.

Man wurde nicht enttäuscht: Das glanzvoll hingestellte Programm mit Werken von Maurice Ravel und Dmitri Schostakowitsch - die Aachener Musikfreunde werden es erst im April nächsten Jahres hören können - bewies, dass sich Aachens Orchester heute auch auf einem höchst anspruchsvollen Forum, wie es die Kölner Philharmonie ist, behaupten kann. Dass ein derartiges Programm nur mit Verstärkung der Formation zu bewältigen ist, steht auf einem anderen Blatt.

Ravels „La Valse”, diese Huldigung des geistvollen Franzosen an den Wiener Walzer mit dem katastrophischen Schluss, fasste Bosch von der klangüppigen Seite her an.

Ein wenig mehr artifizielle Raffinesse wäre hier das Tüpfelchen auf dem i gewesen. Zumal anschließend Steven Osborne, der phänomenale englische Jungstar, Ravels G-Dur-Klavierkonzert mit seiner weitgefächerten Palette von Jazz-Elementen bis zur romantischen Kantilene in dieser Beziehung nichts schuldig blieb.

Ein Klavierspiel, das lockere Virtuosität mit großer Klangsensibilität und jenem Hautgout des Vortrags verband, das diese Musik so „französisch” macht.

Ohne Zugabe ging es nicht ab, wenn auch in Gestalt einer lockerlaunig hingelegten klavierartistischen Zirkusnummer. Dennoch: Höhepunkt blieb nach der Pause Boschs Deutung der Fünften Symphonie von Dmitri Schostakowitsch.

Die dank ihrer einprägsamen Thematik und ihrer traditionellen Formanlage meistgespielte, wenn auch nicht bedeutendste Symphonie des grossen Russen fand eine vom ersten bis zum letzten Takt unter Hochspannung stehende, dennoch klanglich und in ihrem Binnengefüge genau kontrollierte Wiedergabe, die zu Recht am Ende das große Auditorium zu Beifallsstürmen hinriss.

Wie Bosch den Sonaten-Kopfsatz klar und bruchlos aufbaute, wie er das kecke Scherzo abrollen liess, vor allem aber wie er die weiten Bögen des Largos espressiv durchzog, das zeugte einmal mehr von der Fähigkeit des jungen Dirigenten, große Formen nachgestaltend zu bewältigen.

Und die Zwielichtigkeit des sich mühsam hochschraubenden Finale-Schlusses - es gab nichts zu jubeln, sagte später der Komponist zu dieser gewaltsamen Pseudo-Apotheose - das zeugte von tiefem Verständnis des Dirigenten.

Eine Glanzleistung des Aachener Sinfonieorchesters, vor allem auch seiner Bläser-Solisten.