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Aachen: Glänzendes Meisterkonzert der Camerata Salzburg im Eurogress

Aachen : Glänzendes Meisterkonzert der Camerata Salzburg im Eurogress

Mit einem gehaltvollen Programm, das die Geburtstagsjubilare Mozart, Kraus, Tanejew und Schostakowitsch zu Wort kommen ließ, wartete das vorweihnachtliche 4. Meisterkonzert im Aachener Eurogress auf. Die renommierte Camerata Salzburg, vom Konzertmeisterpult geleitet von Natali Chee, präsentierte sich dabei als ein äußerst homogenes und vitales Ensemble, das auch optisch die Freude am gemeinsamen Musizieren spürbar werden ließ.

Der zweifellos interessanteste Beitrag waren die beiden Sätze Präludium und Scherzo für Streichorchester in Oktettbesetzung von Schostakowitsch, ein frühes, experimentierfreudiges, klanglich höchst expressives und kontrastreiches Stück, das den vielfach aufgesplitteten Streichern auch spieltechnisch allerhand abverlangte. Die Wiedergabe dieses ausgesprochen spannenden Werkes überzeugte gleichermaßen durch die Unmittelbarkeit des Ausdrucks wie die technische Souveränität.

Der schockartige Zustand, in den mancher Zuhörer durch das Schostakowitsch-Frühwerk versetzt worden war, löste sich schnell bei Mozarts galant-liebenswürdigem Doppelkonzert für Flöte und Harfe, das die beiden Solistinnen Sharon Bezaly (Flöte) und Julie Palloc (Harfe) lebendig, klanglich sehr gut aufeinander abgestimmt, darboten.

Dass Sharon Bezaly das Konzert nicht nur spielte, sondern auch tanzte, sorgte dabei für eine besondere Note. Der kleine Aussetzer im Rondeau schmälerte nicht die ansonsten ausgezeichnete Leistung der Harfenistin. Vorbildlich das Zusammenspiel mit dem delikat begleitenden Orchester.

Dass sich Josef Martin Kraus, der „schwedische” Mozart, vom Salzburger Mozart stilistisch doch sehr unterscheidet, das bewies die nahezu direkte Gegenüberstellung seiner etwas widerborstig und unkonventionell klingenden Symphonie cis-Moll mit Mozarts früher Symphonie Nr. 15 G-Dur.

Beide Werke wurden von der Camerata Salzburg mit gleicher artikulatorischer Sorgfalt und differenzierter Klanggebung aufgeführt, wobei das reduzierte Vibrato und die kleinen dynamischen Abschattierungen entscheidend zur Lebendigkeit des Vortrags beitrugen. Der Solocellist, der Italiener Giovanni Gnocchi, hatte bei Sergej Tanejews melancholischer Canzona für Violoncello und Orchester Gelegenheit, die Schönheit und klangliche Bandbreite seines sonoren Tons zu präsentieren.

Die Zugabe: der Finalsatz aus Mozarts Symphonie Nr. 29 A-Dur. Auch hier blieb kein Wunsch offen.