1. Kultur

Region: Gestickte Gebete leuchten in allen Regenbogenfarben

Region : Gestickte Gebete leuchten in allen Regenbogenfarben

Ein winziges grünes Blatt, eine Rosenranke mit zarten Knospen, das tiefblaue in edle Falten gelegte Gewand einer Gottesmutter, wollige Schäfchen, die zu Christus streben — wer vorsichtig mit dem Finger darüberstreicht, fühlt eine weiche, ebenmäßige Fläche und sogar leichte Wellen im Fell der Schafe.

Erst mit der Lupe lassen sich die feinen Stiche einer kunstvollen Stickerei entdecken, deren Farben warm und intensiv hervortreten.

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Andächtige Malerei mit Nadeln und feinstem chinesischem Seidengarn, das noch heute in allen Schattierungen des Regenbogens aufleuchtet, wenn Schwester Henriette Mensen, Generaloberin der Kongregation der Schwestern vom armen Kinde Jesus, im Kloster in Burtscheid, Michaelsbergstraße, eine große hölzerne Schublade öffnet. „Es musste immer das beste Material sein“, verrät sie ein Prinzip der Ordensgründerin Clara Fey.

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Prächtige Ornate

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In den letzten Wochen war die Ordensfrau umgeben von mittelalterlich blühender Fantasie, schimmerndem Gold und berührenden biblischen Bildmotiven auf schweren prächtigen Ornaten, Fahnen und Altarstoffen umgeben — Vorbereitungen für eine große Dauerausstellung im ehemaligen Kloster Simpelveld, wo Clara in ihren letzten Jahren gelebt hat, wo sie 1894 gestorben ist und wo jetzt die „Stichting Museum Clara Fey“ für Aufbau und Pflege des Museums „de Schat van Simpelveld“ (Museum „Der Schatz von Simpelveld“) sorgt, das am 1. Juni eröffnet wird. Selbst die letzte Wohnung der Aachener Ordensstifterin hat man dort restauriert. Im Untergeschoss wird der Paramentenschatz des Ordens zu sehen sein, den die Schwestern aus Deutschland, den Niederlanden Österreich, England und Luxemburg zusammengetragen haben. Paramente — das sind kunstvoll bestickte Messgewänder, sowie sämtliche Stoffe, die am Altar gebraucht werden, gefertigt von den Schwestern vom armen Kinde Jesus.

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Wenn Clara Fey, die Aachener Industriellentochter, die 1844 den Orden gegründet hat, am 5. Mai dieses Jahres im Aachener Dom seliggesprochen wird, soll alles fertig eingerichtet sein. Ein Fest für den Orden, aber zugleich die seltene und umfassende Dokumentation kunsthandwerklichen Könnens.

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Clara Fey sorgt bis heute selbst in der Fachwelt für Staunen. Sie bewies nicht nur Glaubenskraft und bestens organisiertes soziales Engagement, sondern auch Entschlusskraft und unternehmerisches Gespür. Bereits 1848, als der Orden das säkularisierte Cölestinenkloster in Aachen erwarb, fiel auf: Es fehlt an Messgewändern. Neue kaufen? „Die gefielen weder den Priestern noch den Schwestern“, erzählt die Generaloberin. Da zur Zeit der Historismus, eine Reformbewegung in der sakralen Textilkunst, einsetzte, die mit Einflüssen aus England Deutschland erreichte, erkannte der Orden die Chance.

Aus dem ehemaligen Kloster der Kongregation der Schwestern vom armen Kinde Jesus in Simpelveld wird ein Museum. Hier lebte Ordensstifterin Clara Fey bis zu ihrem Tod 1894.
Aus dem ehemaligen Kloster der Kongregation der Schwestern vom armen Kinde Jesus in Simpelveld wird ein Museum. Hier lebte Ordensstifterin Clara Fey bis zu ihrem Tod 1894.

Mittelalterliche Motive sollten es auf neuen Gewändern sein, Andachtsbilder, florales Dekor von tiefer Symbolik mit Lilien, Tulpen, Rosen oder Maiglöckchen, Stoffe in den liturgischen Farben des Kirchenjahres — Weiß als Zeichen des Lichts zu Hochfesten wie Weihnachten und Ostern, Rot als Farbe des Blutes an Palmsonntag und Karfreitag, Violett für die Bußzeiten vor Ostern und Weihnachten oder Blau, die Marienfarbe.

Clara Fey verlor keine Zeit und gründete erste Stickateliers. Bald wurde überall in Deutschland und im nahen Ausland fleißig gearbeitet — besonders in Aachen und Simpelveld, wo bis heute Stickarbeiten aus der Hand der Ordensgründerin erhalten sind. Bis 1865 hat allein die Aachener Werkstatt rund 400 Messgewänder und 130 vollständige Ornate angefertigt. „Damals kam als eine der Ersten die junge talentierte Schwester Franziska Lauffs ins neue Stickatelier“, berichtet die Generaloberin. „Sie war über Jahrzehnte die Verantwortliche zuerst in Aachen und dann in Simpelveld. Durch die vielen Aufträge wurden immer mehr Schwestern hauptamtlich mit dieser Arbeit beauftragt.“ Die Schwestern wurden auch ausgebildet, Talente gefördert, die überlieferten Techniken der Paramentenstickerei reaktiviert und erweitert. In der Zeit um 1860 stickten bereits 30 Schwestern in Aachen mittelalterliche Motive.

50 Produkte im Angebot

Im niederländischen Simpelveld waren bis zur Jahrhundertwende 35 Stickerinnen beschäftigt. Von der Zeit zwischen 1849 und 1955 gibt es eine Liste mit rund 50 unterschiedlichen Produkten — vom Priesterornat bis zu Reliquienfassungen, Buchumschlägen und Pontifikalschuhen. Liturgische Ober- und Untergewänder sowie Insignien wie Stola und Stolakragen standen im Vordergrund, aber auch alles, was zur Ausstattung von Altären und Kirchenmobiliar diente.

Der Orden pflegte wertvolle Kontakte zum Textilzentrum Krefeld, wo Ausbildungsstätten rund um den Umgang mit Samt und Seide entstanden. „Es ist bekannt, dass man dorthin Schwestern zur Weiterbildung geschickt hat“, berichtet die Generaloberin. „Nadelmalerei“ und „Lasurstickerei“ mussten neu entdeckt werden. Bereits 1854 wurde der „Tambourierstich“ mit einer Art Häkelnadel geübt, ein Kettstich, mit dem man Motiven Kontur verleihen und Flächen füllen konnte — ursprünglich eine Technik aus der Tuchfabrikation. In der Mosaiktechnik haben die Stickerinnen kleine Stoffstücke zu Bildern vernäht. Üppige Quasten wurden hergestellt, Perlen, Glassteine und Metallpailletten und -fäden verwendet und so manches Motiv sogar mit feinen Fransen umrahmt — eine Spezialität der Ordensfrauen.

Bereits die ersten Ergebnisse begeisterten die Kunden und sorgten für zahlreiche Aufträge. „Die Stickkunst des Ordens sprach sich herum, Gastpriester sahen die außergewöhnlichen Gewänder in Aachen“, sagt Schwester Henriette und blättert in Auftragsbüchern, deren Zeilen eng beschrieben sind — die Paramente der Schwestern vom armen Kinde Jesus waren begehrt und kostspielig. Es gab sogar Lieferungen für den Vatikan, für das österreichische Kaiserhaus, das unter anderem ein besticktes Taufkleid im Stickatelier des Ordens in Döbling (Wien) bestellte, und für das deutsche Kaiserhaus, wo sich Königin Augusta, die Gattin Wilhelms I., eine von den Ordensfrauen verzierte Stola wünschte. „Es heißt, dass die Ordensniederlassung in Österreich ihre Immobilien aus den Erträgen der Stickateliers finanzieren konnte“, gibt Schwester Henriette einen Eindruck vom Erfolg der Produktion.

Vom 1871 einsetzenden Kulturkampf, bei dem es durch preußische Gesetzgebung zur Auflösung von Klöstern kam, ließen sich die Schwestern nicht deprimieren. Man gründete Niederlassungen in Brüssel und Nancy und verlegte 1879 das Aachener Atelier ins neue und nicht so ferne Mutterhaus Simpelveld. Selbst im englischen Southam wurde ab 1880 gestickt. „In den Niederlanden schätzte man Pastelltöne, in England eher kräftige Farben“, beschreibt Schwester Henriette Eigenheiten, die jedes Atelier entwickelte. Doch die blühenden Motive, bei denen die rosigen Wangen der Maria, die Heiligenscheine und Kronen so perfekt wie von alten Meistern gemalt erscheinen, brauchten Zeit. Bis zu drei Jahre konnte es dauern, bis ein Ornat (drei bis fünf Kilo Gewicht) fertiggestellt war.

Stickschulen für Waisenkinder

Neben der praktischen Ausführung wurden Entwürfe gebraucht, Vorlagen, die auf das Werk im Stickrahmen umgesetzt werden konnten. Häufig griff man dabei auf Gemälde zurück, Kirchenkunst wie Leonardo da Vincis „Letztes Abendmahl“ oder das große Altargemälde „Anbetung der Könige“ von Stefan Lochner im Kölner Dom. Einige Werkstätten, die im Stile der Handwerksgilden von Stickmeisterinnen geleitet wurden, richteten Malateliers ein (zum Beispiel Simpelveld), wo talentierte Ordensfrauen Entwürfe anfertigten, die dann nach Bedarf an die einzelnen Ateliers weitergeleitet wurden. Sogar Stickschulen für Waisenkinder — etwa in Köln 1855 — wurden gegründet. Gearbeitet hat man in den Bereichen der Klausur, wo die Stickerinnen Ruhe hatten. „Sie waren von der Hausarbeit befreit, besonders vom Geschirrspülen“, erzählt Schwester Henriette. „Die Fingerkuppen der stickenden Schwestern mussten unverletzt und weich bleiben.“

Doch irgendwann war der Markt für Paramente mit mittelalterlichem Motivprogramm gesättigt. Der Jugendstil entwickelte sich, der historistische Stil der Schwestern wurde nach fünfzig erfolgreichen Jahren verdrängt. 1911 kam es zu ersten Schließungen, andere folgten. „Das Simpelvelder Atelier wurde erst während der Besetzung der Niederlande durch die Nationalsozialisten geschlossen“, berichtet die Generaloberin. „Die Werkstatt sollte nicht der Kulturkammer der Nazis unterstellt werden.“ Nach 1945 machten die Schwestern dort weiter und übergaben erst in den 80er Jahren ihre Utensilien an die Karmelitinnen in Hainburg.

Mit dem „Schatz von Simpelveld“ will man einem wichtigen Kapitel der Ordensgeschichte jetzt einen Rahmen geben. Die Meisterwerke der Paramentenkunst, die als gestickte Gebete erhalten sind, werden in neuem Licht präsentiert. „Zugleich Beweis für das Talent der Ordensstifterin, ausgehend von ihrer besonderen Spiritualität ein mit Gottes Hilfe florierendes Geschäftsmodell zur Finanzierung der sozialen Ordensarbeit zu entwickeln“, formuliert es Schwester Henriette.