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Aachen: Gesichtslos wuchern die Metropolen der Welt

Aachen : Gesichtslos wuchern die Metropolen der Welt

Im Zeitalter der berühmt-berüchtigten Globalisierung hat sich ein Prozess rasant beschleunigt: das ausufernde Wuchern der Mega-Cities.

Ob Sao Paulo, Tokyo, Las Vegas oder Bangkok - trotz des unterschiedlichen kulturellen Hintergrunds gleichen sich die Metropolen in einer Hinsicht immer mehr an: in ihrer Gesichtslosigkeit.

Sie dokumentieren auf zum Teil erschreckende Weise die fortschreitende Unwirtlichkeit der Städte. Der Fotograf Claudio Hils hat dieses Phänomen in zahlreichen Facetten auf eindrucksvolle Weise beleuchtet.

„Dream City” heißt die Ausstellung von 70 in asiatischen, nord- und südamerikanischen Metropolen entstandenen Fotografien im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum.

Gerechterweise müsste der Titel „Dream City” mit einem Fragezeichen versehen sein, denn es ist keinesfalls ein Traum, , was Hils hier festgehalten hat, eher ein globaler Alptraum.

Der 42-Jährige gebürtige Schwabe genoss eine journalistische und künstlerische Ausbildung (Folkwanschule Essen), als Fotograf hat er gearbeitet für den „Spiegel”, das „Zeit-Magazin” und „Geo”.

Von entsprechender Güte in jedweder Hinsicht stellt sich der 70-teilige Foto-Essay dar, ausgebreitet im großen Ausstellungssaal des Museums, in dessen Mitte ein schwarzes, dreieckiges Kino aufgebaut worden ist. Hier werden Claudio Hils bewegliche Stadt-Ansichten von „Dream City” gezeigt - ein unendlich durchlaufendes, 17-minütiges Video.

Die Aufnahmen bestechen in ihrer thematisch-inhaltlichen Treffsicherheit. Scheinbar banale Alltags-, Straßensituationen, von denen der Betrachter nicht erfährt, wo sie entstanden sind, ernüchtern in ihrer Austauschbarkeit und faszinieren zugleich durch eine Hintergründigkeit, die sich erst auf den zweiten Blick eröffnet.

Stahl und Glas etwa prägen die Straßenszene und spiegel den unablässig rauschenden Autoverkehr wider. Beim näheren Hinsehen entdeckt man hinter der milchigen Scheibe den Blumentopf - ein Alpenveilchen, mit dem ein namenloser Hotelportier hier offenbar einen letzten Rest an Invidivualität denkmalhaft manifestiert hat.

Schauderhaft und bedrohlich wirkt das Fassadenraster, das die Fenster einer riesigen Wohnmaschine bilden. Das Foto entstand in Sao Paulo, verrät Hils - den ein unliebsames Erlebnis an den Moment des Abdrückens erinnert: aus dem 24. Stock warf jemand eine Wassermelone, die ihn zum Glück nur an der Schulter traf . . .

Der elende Wohnraum , architektonischer Wildwuchs, lebensfeindliche Baustrukturen, idologischer Wahn von Stärke, Jugend und Sportlichkeit in der Straßenwerbung Nordamerikas, die kulturelle Entwurzelung im Bild eines japanischen Gebetsraumes, der wie eine Disco leuchtet und blinkt, Orientierungslosigkeit und Wirrnis - all das und mehr summiert sich in der Tat zu einer beeintruckenden fotoessayistischen Betrachtung der kultuerellen Entwicklung der Städte im Zeitalter der Globalisierung.