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Arlon: Geschworene sprechen Dutroux schuldig

Arlon : Geschworene sprechen Dutroux schuldig

Der belgische Kinderschänder Marc Dutroux muss wegen dreifachen Mordes mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen. Dutroux ermordete Mitte der 90er Jahre zwei damals 17 und 19 Jahre alte Mädchen und seinen früheren Komplizen Bernard Weinstein.

Das ist das Urteil des Schwurgerichts am Donnerstag im südbelgischen Arlon. Das Gericht sprach den 47 Jahre alten Dutroux in fast allen Punkten der Anklage für schuldig. Er ist als früherer Chef einer kriminellen Bande für die Entführung und Misshandlung von sechs Mädchen im Alter von 8 bis 19 Jahren verantwortlich, entschieden die zwölf Geschworenen am vierten Tag ihrer Beratungen.

Die Vorsitzende der Jury trug mit der Hand auf dem Herzen und mit fester Stimme etwa 30 Minuten lang das Votum vor. Die Angeklagten sollten erst anschließend von einem Gerichtsschreiber von dem Urteil erfahren. Über das Strafmaß werden die Geschworenen zusammen mit drei Berufsrichtern voraussichtlich erst in der nächsten Woche urteilen.

Auch die mitangeklagte frühere Ehefrau von Dutroux, Michelle Martin, und Dutrouxs Komplize Michel Lelièvre müssen mit langen Haftstrafen rechnen. Ihnen wurde ebenfalls die Entführung, Freiheitsberaubung und Misshandlung der Mädchen zur Last gelegt.

Der vorbestrafte Geschäftsmann Michel Nihoul wurde wegen Menschenhandels schuldig gesprochen und muss damit mit einer mindestens zehnjährigen Haft rechnen. In der Hauptsache, der mehrfachen Mädchenentführung, kam das Gericht zunächst zu keiner Entscheidung. Sieben Laienrichter waren der Auffassung, dass Nihoul Dutroux bei seinen Taten half. Fünf Geschworene stimmten bei entsprechenden Frage mit „Nein”. In diesem Fall müssen die drei Berufsrichter ihre Stimme in die Waagschale werfen und eine Entscheidung herbeiführen. Nihoul galt in dem Verfahren als Dutrouxs Verbindungsmann zu Kinderschänder-Ringen.

Der seit 1. März dauernde Prozess, der weit über die Grenzen Belgiens Wellen schlug, ist damit fast abgeschlossen. Die Geschworenen urteilten in 243 Einzelfragen über Schuld oder Unschuld der vier Beschuldigten. Die Laienrichter hatten seit Montag unter strenger polizeilicher Abschirmung in einer Kaserne in der Nähe Arlons über den Fragenkatalog beraten.

Im Mittelpunkt stand der Mordvorwurf. Die Laienrichter waren überzeugt, dass Dutroux zwischen 1995 und 1996 die damals 17 Jahre alte An Marchal und die 19 Jahre alte Eefje Lambrecks umbrachte. Die Leichen der Mädchen waren später vergraben auf einem Grundstück von Dutroux gefunden worden.

Als erwiesen galt die Schuld, wenn mindestens acht der zwölf Geschworenen sich darüber einig waren. Nur wenn das geheime Votum der Volksjury mit sieben zu fünf Stimmen knapper ausfiel, mussten anschließend auch die drei Berufsrichter beraten. Eine Abstimmung der Geschworenen im Verhältnis sechs zu sechs galt als Freispruch des Beschuldigten beim jeweiligen Anklagepunkt.

Im Mittelpunkt des Prozesses steht die Entführung von sechs Mädchen, von denen vier qualvoll in ihrer Gefangenschaft starben. Dutroux, ein vorbestrafter Entführer und Vergewaltiger, hatte die Mordvorwürfe bestritten.