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Aachen: Geschichte Hassans in Yadé Karas „Selam Berlin”

Aachen : Geschichte Hassans in Yadé Karas „Selam Berlin”

„Als ich das Buch aus der Hand legte, dachte ich nur: Schreibt verdammt gut, der Kerl”, verrät Buchhändler Walter Vennen lächelnd der Hörerschar bei der Lesung der türkischen Schriftstellerin Yadé Kara in der Buchhandlung Schmetz am Dom.

Ein Roman aus Sicht eines 19-jährigen türkischen Jungen, der zwischen den beiden Kulturzentren Instanbul und Berlin lebt, aber geschrieben von einer Frau, die es beherrscht, diese Perspektive authentisch rüberzubringen, kann also selbst einen erfahrenen Literaturexperten täuschen - ein gutes Zeichen.

„Selam Berlin” ist der Titel ihres Romanerstlings, erschienen im Diogenes Verlag. Ein Erstlingswerk, das zwar autobiografische Züge bei der Cosmopolitin Kara vermuten lässt, aber schnell wehrt sie ab: „Nein, die Idee kam spontan, plötzlich hatte ich Hassan vor Augen und mittlerweile kenn ich ihn”, lächelt sie charmant und gibt zu, sich sogar manchmal mit ihm zu unterhalten. Sie hat ihn geradezu zum Leben erweckt, authentisch.

Die Lesung überzeugt, denn die Sprache des Romans, flapsig, teilweise umgangssprachlich, mit jeder Menge Slangausdrücken durchmischt, eignete sich hervorragend zum Vorlesen, und Kara spielt dabei mit den klischeebehafteten Vorstellungen eines türkischen Jungen, sprachlich und auch bildlich als Sprücheklopfer und Aufreißer umgesetzt.

Und seine Geschichte ist spannend: Hassan ist in Berlin aufgewachsen, macht gerade in Istanbul sein Abitur und erfährt aus den Fernsehnachrichten, wie in Berlin die Mauer fällt. Er bricht auf in das brodelnde Berlin und in ein neues Leben außerhalb des Elternhauses.