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Hoven/Aachen: Geplatzte Berlinfahrt als Motiv für den Armbrust-Mord?

Hoven/Aachen : Geplatzte Berlinfahrt als Motiv für den Armbrust-Mord?

Auch Verteidiger Rainer Dietz bewegte die Frage, die seit Beginn des „äußerst traurigen Verfahrens” (Vorsitzender Richter Gerd Nohl) vor dem Aachener Schwurgericht alle im Saal umtrieb: „Warum schießt man mit der Armbrust auf seinen besten Freund?”

So recht konnte der aussagewillige Angeklagte, der 21-jährige Dürener Verkäufer Dietrich F., seine Motive, die ihn am Abend des 3. April dieses Jahres zum tödlichen Schuss in den Hinterkopf seines zwei Jahre jüngeren Freundes veranlassten, nicht darlegen.

Die anfänglichen Vermutungen, es handele sich um eine Eifersuchtstat in einer homosexuellen Beziehung, bestätigen sich am zweiten Verhandlungstag nicht. Die für die Staatsanwaltschaft so bedeutsamen sexuellen Handlungen zwischen den jungen Männern waren wohl eher belangloses Geplänkel.

Doch der Angeklagte näherte sich am zweiten Tag immer mehr den furchtbaren Geschehnissen an jenem Donnerstagabend, als er gegen 21 Uhr mit seinem Freund von einer Rollertour durch Düren nach Hause in seine Zweizimmerwohnung nahe der Rur fuhr. Er habe sich von seinem langjährigen Freund immer und immer wieder untergebuttert gefühlt, begann er Freitag, seine Motive darzulegen.

Vor allem platzte an jenem Abend sein Traum von einer gemeinsamen Berlinfahrt, die er mit der Zustimmung des Freundes für Mai des kommenden Jahres geplant hatte. Und er habe seinen Freund darauf hingewiesen, dass er nicht länger dulden wolle, dass dieser sich mit seiner Freundin in der Wohnung des Angeklagten sexuell betätigte. Der habe aber abgewunken und sich danach kommentarlos an den PC gesetzt.

Wut und Ärger

In jenem Moment seien Wut und Ärger in ihm hochgestiegen, so sehr, dass er in einen anderen Raum gehen musste. Auf dem Weg zurück sei sein Blick auf die Armbrust im Nebenzimmer gefallen. Die ergriff er, lud sie durch, ging um die Ecke und feuerte auf den Sitzenden. „Haben Sie auf den Kopf gezielt?” fragte Richter Nohl. Da herrschte zunächst Schweigen. „Wenn er gestanden hätte, dann läge er jetzt im Krankenhaus”, versuchte sich Dietrich F. an einer Antwort.

Also habe er sich „ausgenutzt und verraten gefühlt”, beteiligte sich die psychiatrische Sachverständige, Dr. Konstanze Jankowski, an der Motivsuche. „Ja”, meinte der Angeklagte und erklärte stockend, er habe alles für diese Freundschaft gegeben und „nichts davon zurückbekommen”.

Der Vermutung, es handele sich bei der Tat um Mord aus Eifersucht, widersprach die Ex-Freundin des Angeklagten, die Dietrich F. als heterosexuell kennen gelernt hatte. Auch die Freundin des als lebensfroh und freundlich beschriebenen Opfers hatte bereits bestätigt, dass der Angeklagte zwar eher schüchtern war, aber zu seiner Partnerin eine übliche Beziehung unterhielt.

Ein Waffensachverständiger sagte aus, die Schussgeschwindigkeit aus einer mit der Tatwaffe vergleichbaren Armbrust sei etwas mehr als halb so groß wie die aus einer Pistole. Er betonte, dass es sich um ein gefährliches Schussgerät handele, das man leider ohne Waffenschein besitzen dürfe.

Der Prozess geht am kommenden Montag mit dem Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen weiter.