Aachen: Geniale Pointen, klangliche Finessen, gebannte Besucher

Aachen: Geniale Pointen, klangliche Finessen, gebannte Besucher

Die stummen Geniestreiche Charles Chaplins auf großer Leinwand, getragen vom Live-Sound eines stattlichen Sinfonieorchesters: Da schlagen nicht nur Cineasten-Herzen höher. Das Aachener Sinfonieorchester hat auf diesem Terrain mittlerweile genug Erfahrungen sammeln können.

So konnte es auch die besonders komplexe Partitur zu Chaplins Evergreen „Goldrausch” (1925) nahezu perfekt und reibungslos mit sinfonischem Glanz veredeln. Chordirektor Andreas Klippert erwies sich als würdiger Nachfolger von Kapellmeister Daniel Jakobi, der die „Konzerte ohne Frack” über Jahre erfolgreich betreute, und traf die Ausdrucksfacetten der von Carl Davis meisterhaft orchestrierten Partitur mit punktgenauer Treffsicherheit, so dass die Begeisterung des Publikums in den drei Vorstellungen im stets ausverkauften Aachener Theater vollauf berechtigt war. Die Sinfoniker gingen so souverän mit der Musik um, dass sogar noch Raum für kleine klangliche Finessen blieb.

Über die Genialität des Films erübrigt sich jedes Wort. Dass der Perfektionist Chaplin die Musik zur Chefsache erklärte und keinem noch so gewieften Profi überlassen wollte, versteht sich von selbst. Auch wenn Chaplin die Musik erst 17 Jahre nach Fertigstellung des Films „nachreichte”, kommen wir in den Genuss einer typischen Chaplin-Partitur mit einem leicht melancholischen Unterton und viel zirzensischem Kolorit, gespickt mit einem Feuerwerk an Zitaten aus Klassik und Volkslied. Dass die unübertroffene Prägnanz der zahllosen filmischen Pointen mit dem Schuhsohlen-Dinner und dem „Brötchentanz” als geradezu legendären Höhepunkten die Musik fast vergessen lässt, spricht nicht nur für die Qualität des Films, sondern auch für das musikalische Einfühlungsvermögen Chaplins.

Das Publikum verfolgte die Vorstellung geradezu gebannt und sparte nicht mit Beifall.