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Köln: Gelungen: Edward Bonds „Die See” im Schauspiel Köln

Köln : Gelungen: Edward Bonds „Die See” im Schauspiel Köln

„La mer...” - Charles Trénet besang 1945 in einem der schönsten französischen Chansons die Poesie des Meeres.

Der englische Autor Edward Bond hatte mit den goldenen Reflexen auf den Wellen und ihrer sanften Anmut weit weniger im Sinn, als 1973 sein Stück „Die See” uraufgeführt wurde.

Bonds Meer ist ein Ozean gewordener Strom, der Tote gebiert und die Lebenden frisst, der sie pochenden Herzens, sehenden Auges und gelähmten Leibes in den Hades befördert; eine tiefe, miefige und statische Unterwelt, aus der es kein Entrinnen mehr gibt.

In der Inszenierung von Günther Krämer gelang es im Kölner Schauspiel 13 Akteuren - allen voran Traute Hoess in der Rolle der Louise Rafi - diesem Ozean und all denen, die an seinen Gestaden leben müssen, ein Gesicht zu geben.

Die See ist ein Synonym für Seele, aber die meisten der Bewohner einer kleinen Küstenstadt haben ihr höchstes Gut längst hingegeben: für Lüsternheit, Lob oder Liebe, für Anerkennung, Außenseitertum oder Autorität.

Darin gleichen sich der bigotte Pfarrer (Heinrich Baumgartner), die devote Gesellschafterin (Katja Bellinghausen), die vor der Ehe schon verwitwete Verlobte (Claude De Demo), der servile Tuchhändler (Lukas Holzhausen) und der Säufer Evans (Michael Altmann) bis aufs Haar.

Selbst die, die inmitten all dieser verkauften Seelchen als einzig authentische Figur erscheint, Louise Rafi (Traute Hoess), eine befehlsgewohnte Exzentrikerin, die - reich, laut und sadistisch - den Ton in der Gemeinde angibt, vertuscht mit Autorität ihre eigene Auswegslosigkeit.

Ein funktionierendes Gefüge, möchte man meinen, gäbe es da nicht den jungen Willy (Jochen Langner), der in einer stürmischen Nacht an der Küste Schiffbruch erleidet, wobei sein Freund Colin, ein Einheimischer, ertrinkt.

Willy passt sich weder an noch ein, er stellt unbequeme Fragen und merkt sich scheinbar harmlose Sätze wie „Hier wird alles wieder angespült”, die erst später ihren unterseeischen Sinn offenbaren.

Nicht nur im Vergleich zum misslungenen „Torquato Tasso” offerierte das Kölner Schauspiel eine prickelnde Premiere.

Dafür, dass die rund zweieinhalb Stunden (mit Pause) äußerst kurzweilig vergingen, sorgten neben Regie und Darstellern ein überaus temporeicher Einstieg, gelungene Ton- und Lichteffekte und eine stimmungsvoll-surreale Kulisse.

Weitere Pluspunkte: die Kostüme, eine wandlungsfähige Bühnentechnik mit Tendenz zur Wundertüte und ein cineastischer Sinn für einprägsame Bilder.